Paris/Bonn. Reuter Rußland erhält eine finanzielle Atempause. Die im Pariser Club zusammengeschlossenen westlichen Industriestaaten gewähren eine Umschuldung in Rekordhöhe von rund 61 Milliarden Mark.Beide Seiten vereinbarten gestern in Paris, daß Rußland die Schulden innerhalb von 25 Jahren zurückzahlen muß. Mit 46 Prozent oder umgerechnet rund 28 Milliarden Mark trägt Deutschland den Hauptanteil der Umschuldung. Das Finanzministerium in Bonn sprach von einer abschließenden Regelung für Schulden der ehemaligen Sowjetunion. Damit sollten die Reformen in Rußland unterstützt werden. Das Abkommen sei die bisher größte Umschuldung im Pariser Club, erklärte das Bundesfinanzministerium. Mit ihr solle auch Rußlands Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten gefördert werden. Das britische Finanzministerium wies darauf hin, daß die russische Regierung den Reformkurs beibehalten müsse. Rußland hatte am Morgen das Umschuldungsabkommen mit den Staaten des Pariser Clubs unterzeichnet. Der russische Staat soll die Schulden nun innerhalb von 25 Jahren zurückzahlen. Die Gläubigerstaaten räumten Rußland bei der Tilgung eine Zahlungspause von sechs Jahren ein. Die Umschuldungszinsen sollten aber während des gesamten Zeitraums beglichen werden, erklärte das Finanzministerium in Bonn. Zum überwiegenden Teil solle die Rückzahlung nach 20 Jahren abgeschlossen sein. Rußland schuldet den Staaten des Pariser Clubs Schätzungen zufolge 45 Milliarden Dollar. Das Umschuldungsabkommen wird nach Ansicht von Beobachtern dem russischen Präsidenten Boris Jelzin im Kampf um die Wiederwahl helfen. Jelzin liegt derzeit nach jüngsten Umfragen mit 21 Prozent sechs Punkte hinter seinem Hauptkonkurrenten, dem Kommunisten-Chef Gennadi Sjuganow. Die russische Regierung hatte bei den Verhandlungen bekräftigt, sie stehe zu den mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarten Wirtschaftsreformen. Der Pariser Club hatte Fortschritte bei den Reformen zur Bedingung für die Umschuldung gemacht. Der IWF hatte Rußland Ende März einen neuen Kredit in Höhe von rund 15 Milliarden Mark gewährt und mit der Regierung in Moskau ein Wirtschaftsprogramm vereinbart. +++
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]