WARSCHAU. Alle seine Vorgänger reisten zuerst nach Paris. Guido Westerwelle aber, seit drei Tagen Außenminister, flog als erstes nach Warschau. Dort wurde er am Sonnabend von seinem polnischen Kollegen Radoslaw Sikorski empfangen und - was im diplomatischen Verkehr nicht unbedingt üblich ist - auch von Staatspräsident Lech Kaczynski. Die Entscheidung für Polen sei nicht zufällig, die Freundschaft zwischen beiden Ländern und Völkern sei ihm ein Kernanliegen, sagte Westerwelle nach einem Gespräch mit Sikorski: Wie zur Veranschaulichung der gegenseitigen Harmonie redeten sich beide Minister auf der Pressekonferenz mit Vornamen an. Westerwelle griff zum vertraulichen "Radek".Sikorski wiederum lobte: "Die Beziehungen beider Länder sind so gut wie nie zuvor in ihrer Geschichte." Er wünsche sich für die Zukunft ein weiteres bilaterales Engagement in osteuropäischen Fragen.Westerwelle setzte sich in Warschau für eine Wiederbelebung des "Weimarer Dreiecks" der Kooperation zwischen Deutschland, Frankreich und Polen ein. Mehr Beachtung erfuhren in Polen allerdings die recht deutlichen Worte des Gastes über einen möglichen Einzug von Erika Steinbach in den Beirat des geplanten "Zentrums gegen Vertreibungen". Westerwelle betonte, dass das Projekt der Versöhnung diene, weshalb "alles unterlassen werden sollte, was dem entgegensteht". Steinbach, Chefin des Bundes der Vertriebenen, gilt östlich der Oder als "rotes Tuch". Sie hatte Anfang dieses Jahres ihre Kandidatur nach polnischen Protesten vorläufig zurückgestellt.Nicht sehr gastfreundlich reagierte das Staatsfernsehen TVP auf den Besuch aus Deutschland. "Nette Gesten, liebe Worte, mehr ist nicht gewesen", konstatierte eine Journalistin in der Nachrichtensendung "Wiadomosci". Überraschen musste diese Kritik nicht, denn die Sendung, die knapp fünf Millionen Zuschauer erreicht, untersteht dem Einfluss der konservativnationalen Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS). Ein Regierungs- wie ein Oppositionspolitiker kritisierten in der Sendung einmütig, dass der Besuch keine Klarheit in der Frage der Energiesicherheit gebracht habe. Denn zu der geplanten Ostseepipeline, die russisches Gas an Polen vorbei nach Deutschland bringen soll, wollte sich Westerwelle auf der Pressekonferenz nicht äußern. Die Regierung in Warschau lehnt das Projekt ab. Sie befürchtet, bewusst polnische Interessen zugunsten einer russisch-deutschen Kooperation ausgeklammert werden.Sikorski hatte 2006 - damals noch als Verteidigungsminister - das Projekt sogar mit dem Hitler-Stalin-Pakt verglichen. In der jetzigen konservativ-liberalen Regierung unter Premier Donald Tusk unterlässt er solche scharfen Töne und erwartet auch von den Medien mehr Sinn für Harmonie. Als ein polnischer Journalist Westerwelle auf Steinbach ansprechen wollte, unterbrach ihn Sikorski mit einem saloppen: "Ach komm, hör schon auf!"------------------------------"Wir werden alles unterlassen, was dem Gedanken der Versöhnung entgegensteht." Guido WesterwelleFoto: Zum Tee beim Präsidenten: Guido Westerwelle (l.) und Lech Kaczynski in Warschau.
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