Russland-Sanktionen

Westliche Hersteller hintergangen? Russland profitiert von Parallel-Importen

Um den heimischen Markt nach dem Rückzug der westlichen Firmen zu sättigen, setzt Russland auf die sogenannten Parallel-Importe. Wie funktioniert das?

3 Min
Archivfoto. Wladimir Putin, damals Russlands Ministerpräsident, schüttelt die Hand des Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Martin Winterkorn, bei der Eröffnung eines Volkswagen-Automobilwerks in der Region Kaluga, Russland, am 20. Oktober 2009. Der deutsche Konzern stellte die Produktion in Kaluga Ende Februar ein und liefert aktuell ebenfalls keine Autos nach Russland.

Archivfoto. Wladimir Putin, damals Russlands Ministerpräsident, schüttelt die Hand des Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Martin Winterkorn, bei der Eröffnung eines Volkswagen-Automobilwerks in der Region Kaluga, Russland, am 20. Oktober 2009. Der deutsche Konzern stellte die Produktion in Kaluga Ende Februar ein und liefert aktuell ebenfalls keine Autos nach Russland.

© AFP_POOL

Viele westliche Firmen haben wegen der russischen Invasion in der Ukraine das Land inzwischen verlassen oder importieren ihre Waren nicht mehr – teilweise wegen der Sanktionen, aber vor allem wegen der gestiegenen Geschäftsrisiken. Doch was tun, wenn der russische Verbraucher weiterhin ein iPhone haben möchte oder einen Bosch-Herd made in Germany?

Das Urheberrecht wird außer Kraft gesetzt

Das russische Ministerium für Industrie und Handel hat vor Kurzem eine vollständige Liste von Waren aus „unfreundlichen“ westlichen Ländern (die Sanktionen gegen Russland verhängten) veröffentlicht, deren parallele Einfuhr aus Sicht der russischen Behörden legal wird: Sprich, das Urheberrecht des Herstellers wird außer Kraft gesetzt. Der Kremlchef Wladimir Putin hat das entsprechende Gesetz Ende Juni formal unterzeichnet.

Mit paralleler Einfuhr ist dabei gemeint, dass die Waren über ein Drittland wie Usbekistan, Kasachstan oder die Türkei nach Russland importiert werden, über inoffizielle Transportkanäle sozusagen. Die einzuführenden Waren werden dabei offiziell vom Hersteller hergestellt, legal in Drittländer geliefert und dort über einen Vermittler nach Russland weiterverkauft. Der Hersteller, der seine Waren nicht mehr nach Russland einführt oder diese Einfuhr sogar verbietet, bekommt diesen Trick oft nicht mit oder kann nicht dagegen vorgehen.

Ob Kleidung, Autos, Apple-Elektronik, Werkzeuge für die Industrie, Schiffe oder sogar Kernreaktoren: Vieles darf nach Russland bereits ohne Zustimmung des Urheberrechtsinhabers, also des Herstellers, eingeführt werden. Viele Brands landen dann bei den größten Onlinehändlern wie Wildberries oder Yandex Market. Die Nachrichtenagentur Reuters und das Portal Euronews haben unter anderem über den Verkauf von parallel eingeführten Smartphones oder etwa der Zara-Kleidung auf den russischen Onlineportalen berichtet.

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Deutsche Automarken wie Mercedes-Benz, Porsche, Volkswagen, BMW, Audi und die Autoteile werden inzwischen einzeln auf diese Weise importiert. Auch wenn deutsche Autohersteller ihre Importe nach Russland nach eigenen Angaben entweder nur „unterbrachen“ oder stoppten: Offizielle Servicezentren können inoffiziell eingeführte Autos nicht bedienen, und die Zertifizierung müssen die Importeure so oder so durchführen. Sonst hat die Ware keine Garantie.

Scheinbare Normalität

Zu den Serviceproblemen kommt ein weiterer wichtiger Nachteil der Parallel-Importe: Die eingeführten Waren kosten dadurch zunächst mehr, denn die Vermittler aus Drittländern wollen auch Geld verdienen und ihre Risiken begleichen.

Bisher haben trotzdem nicht zuletzt auch die Parallel-Importe aus dem Westen Russland geholfen, die eingebrochenen Einfuhren etwas wiederaufzubauen. Der reale Konsum in Russland sinkt zwar, doch andererseits sorgen die Sättigung des heimischen Marktes und das verbesserte Angebot für Optimismus und eine Stabilisierung einiger Wirtschaftsindikatoren wie der Inflation, so die Einschätzung der russischen Zentralbank. Diese scheinbare Normalität sollte im Endeffekt auch etwas die Proteststimmen im Land dämpfen. Andererseits zeigen sich viele Verbraucher im Internet bereits unzufrieden damit, dass sie für die gleiche Ware oft viel mehr zahlen müssen, als noch vor dem Krieg.

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