Zwischen Beratungshäusern und Rüstungsfirmen ist einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zufolge ein Wettkampf um ehemalige hochrangige Soldaten entbrannt. Allein in diesem Jahr fließen 108 Milliarden Euro in die Verteidigung.
Nach Zahlen des Bundesverteidigungsministeriums, die der Zeitung vorliegen, wurden zwischen Mitte Dezember 2024 und Mitte Juni 2025 insgesamt 332 Fälle dokumentiert, in denen Angehörige der Bundeswehr eine neue Tätigkeit in einem Rüstungsunternehmen oder einem entsprechenden Verband angezeigt haben. In den rund drei Jahren zuvor seien es 411 Fälle gewesen. Fast alle nähmen die neue Tätigkeit erst nach ihrer Pensionierung auf.
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Kritik aus dem Bundestag
Sebastian Schäfer von den Grünen, im Haushaltsausschuss zuständig für die Verteidigungsausgaben, äußerte gegenüber der Zeitung Bedenken. „Die Frage ist doch: Wird da Wissen auf eine Weise genutzt, dass es eher den Interessen der Unternehmen nützt als denen des Landes?“, sagte Schäfer. Er finde es grundsätzlich gut, wenn Ex-Soldaten ihr Wissen an Hochschulen weitergäben. „Aber wenn das genutzt wird, um Rheinmetall noch reicher zu machen, finde ich das schwierig.“ Man dürfe nicht naiv sein: Wo so viel Geld in die Aufrüstung fließe, gehe es um materielle Interessen.
Honorare und Prüfverfahren
In der Branche seien Tagessätze zwischen 1500 und 4000 Euro üblich, in Einzelfällen auch deutlich höher, berichtet die Zeitung. Das Bundesverteidigungsministerium prüft neue Tätigkeiten ehemaliger Soldaten bis zu fünf Jahre nach ihrer Pensionierung. Laut Soldatengesetz dürfen dienstliche Interessen dadurch nicht beeinträchtigt werden. Wer etwa im Beschaffungsamt der Bundeswehr gearbeitet hat, kann nicht in die Vertriebsabteilung einer Rüstungsfirma wechseln.
Unternehmen setzen auf Wissen und Kontakte
Die Unternehmen versprächen sich von den ehemaligen Offizieren Kontakte, Wissen und Prestige, heißt es in dem Bericht. Rainer Bernnat, bei der Beratungsfirma PWC für Kunden im öffentlichen Sektor zuständig, sagte der FAZ: „Das sind Topmanager mit einer Topausbildung.“ Die Bundeswehr schule ihre Führungskräfte permanent in neuen Verwendungen und vermittle politischen Weitblick.
Bereits vor 20 Jahren hatte es Debatten um hochrangige Generäle gegeben, die in Aufsichtsräte von Rüstungsfirmen wechselten. Der frühere Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) nannte ein solches Verhalten damals „unanständig“.
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