Busan hat einen neuen Ehrenbotschafter. Er ist 3,5 Meter lang, wurde seit fast zwei Wochen nicht beim Fressen gesehen und wäre vermutlich lieber ganz woanders.
Seit dem 18. September zieht ein Hai seine Runden durch einen künstlichen Kanal im Nordhafen der südkoreanischen Hafenstadt. Am Dienstag sollte er endlich zurück ins offene Meer. Er wollte nicht.
Hai-Rettung in Busan gescheitert
Fünf Boote von Küstenwache und Feuerwehr rückten am Dienstagvormittag aus, wie die Seoul Economic Daily berichtet. Pumpen an Bord erzeugten Strömung und Lärm, der Hai sollte Richtung Hafenausfahrt ausweichen.
Sieben Drohnen verfolgten ihn aus der Luft. Der Hai wich den Wasserstrahlen aus und schwamm den Booten immer wieder davon, meldet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf die Agentur Yonhap.
Am Ufer machte das Publikum mit. Per Lautsprecher bat die Küstenwache die Zuschauer, laut zu rufen, sobald jemand den Hai entdeckt, schreibt die Korea JoongAng Daily. Am Nachmittag gaben die Retter auf.
Am Freitag folgt Versuch Nummer zwei. Ein eigens angefertigtes Netz soll den Kanal Stück für Stück absperren, bis dem Hai nur noch der Weg ins Meer bleibt.
Bukang-i wird Ehrenbotschafter und Maskottchen
Die Einwohner tauften ihn „Bukang-i“, abgeleitet von Bukhang, dem koreanischen Namen des Nordhafens, samt einer liebevollen Verkleinerungsendung.
Sein Timing war perfekt. Der Hai tauchte kurz vor Chuseok auf, dem koreanischen Erntedankfest, an dem Millionen Menschen durchs Land reisen. Seit dem 19. September kamen rund 600.000 Besucher an den Kanal. Im Schnitt waren das mehr als 60.000 am Tag und damit etwa 32-mal so viele wie sonst, rechnet die Betreibergesellschaft des Parks vor.
Die Stadt reagierte, wie Städte eben reagieren: Sie machte den Hai zum Ehrenbotschafter. In einer Umfrage unter rund 8.200 Einwohnern waren 91 Prozent dafür. Der Bezirk Dong-gu plant zudem ein offizielles Maskottchen und sucht per Wettbewerb nach Aussehen und Hintergrundgeschichte.
Beim Fanartikel-Geschäft könnte es trotzdem hapern. Nach Angaben des Blattes aus Seoul hat eine Privatperson bereits eine Marke mit dem Namen des Hais angemeldet.
Leichtsinnige Besucher am Hai-Kanal
Der Rummel hat eine gefährliche Seite. Ein Besucher kletterte über das Geländer, um sein Handy herauszufischen, das ihm beim Filmen ins Wasser gefallen war. Keine fünf Minuten später tauchte der Hai genau dort auf, berichtet die Wirtschaftszeitung unter Berufung auf den Einsender des Videos.
Andere warfen einen toten Fisch und rohes Hähnchen in den Kanal. Ein Werfer soll sich laut Augenzeugen damit gerechtfertigt haben, dass der Hai ja auch etwas essen müsse.
Die Behörden haben ihre Patrouillen am Ufer verstärkt. Wildtiere zu füttern hilft ihnen selten, einem Hai im Stress schon gar nicht.
Warum der Bronzehai nicht zurückfindet
Experten vermuten, dass der Hai auf Beutejagd in den Kanal geriet und dort die Orientierung verloren hat. Atmung und Aktivität seien bislang stabil, meldet das staatliche Fischereiforschungsinstitut laut der Korea Times.
Lange gutgehen kann das nicht. Der Kanal ist bei Flut 4,5 Meter tief, bei Ebbe nur 1,5 bis 2,5 Meter. Bronzehaie leben nach Angaben von Fachleuten in bis zu 100 Metern Tiefe.
Ein zwölfjähriges Mädchen, das eigens aus Seoul angereist war, fand den Hai gruselig wie im Film „Der weiße Hai“ – und ist trotzdem traurig, dass er nun gehen soll.
Klimawandel: Mehr Haie vor Südkoreas Küsten
Das Fischereiinstitut sieht hinter dem Besuch auch den Klimawandel. Große Haie folgen demnach Makrelen und Thunfischen, die wegen steigender Wassertemperaturen weiter nach Norden ziehen. Allein im Ostmeer wurden in diesem Jahr 73 Haie gezählt.
Koreas Grüne kritisieren deshalb, dass die Stadt den Hai als Tourismusglücksfall vermarktet. Sie haben einen Punkt. Ein Maskottchen, das im Kanal verhungert, wäre die schlechteste Werbung, die Busan bekommen kann.
Am Freitag entscheidet sich, ob der Ehrenbotschafter gerettet werden kann.
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