Der Demokratischen Republik Kongo fehlen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) genügend Fachkräfte, um während des am schnellsten wachsenden Ebola-Ausbruchs der Geschichte die Behandlungszentren zu betreiben.
Besonders angespannt ist die Lage in der östlichen Provinz Nord-Kivu, wo die Fallzahlen binnen drei Wochen um 73 Prozent gestiegen sind, wie die WHO am Mittwoch bei einem Briefing mitteilte.
Der Ausbruch hat sich auf sieben Provinzen ausgeweitet. Laut den jüngsten Regierungsangaben wurden 7773 bestätigte Fälle und 3759 Todesfälle registriert. Zwischen dem 31. August und dem 20. September gingen die Zahlen in der Provinz Ituri, dem Ursprungsgebiet des Ausbruchs, um 26 Prozent zurück, in Haut-Uele um 15 Prozent, sagte WHO-Notfalldirektorin für Afrika Marie Roseline Belizaire. Der Ausbruch sei weiterhin nicht unter Kontrolle.
Es handelt sich um den 17. Ebola-Ausbruch im Kongo, auch im Nachbarland Uganda wurden Fälle registriert. Die WHO geht davon aus, dass der Ausbruch die westafrikanische Epidemie von 2014 bis 2016 mit mehr als 11.000 Todesopfern noch übertreffen könnte.
Die Afrikanische Seuchenschutzbehörde Africa CDC hält die Dunkelziffer für möglicherweise dreimal so hoch wie die offiziell erfasste Zahl der Fälle.
Streik in Beni wegen ausstehender Prämien
Verschärft wird die Lage durch einen Streik von Einsatzkräften zur Ebola-Bekämpfung in der Stadt Beni in Nord-Kivu. Seit Montag legten Beschäftigte der vom Gesundheitsministerium koordinierten Mission dort ihre Arbeit nieder, berichtete das kongolesische Portal Actualite.cd. Sie fordern die Auszahlung von drei bis vier Monaten ausstehender Prämien.
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Vor dem Büro der örtlichen Ebola-Koordinierungsstelle wurden Barrikaden errichtet und ein Feuer entzündet, das die Polizei löschte. „Wir arbeiten seit vier Monaten, ohne bezahlt zu werden“, sagte Nick Junior Vusindi, Mitarbeiter der Kommunikationskommission.
Kinder besonders gefährdet
WHO-Vertreterin Anne Ancia sagte, ein einzelnes Ebola-Behandlungszentrum benötige rund 300 medizinische Fachkräfte, darunter Narkoseärzte, Hygieniker, Pflegekräfte und Allgemeinmediziner.
„Wir bauen Behandlungszentren, verfügen aber nicht immer über das nötige Personal, um sie zu betreiben“, erklärte Ancia. Insgesamt stünden nach WHO-Angaben knapp 1400 Betten in 49 Behandlungszentren zur Verfügung, 25 Labore könnten bis zu 2500 Tests pro Tag auswerten.
Besonders hoch ist die Sterblichkeit bei kleinen Kindern. Bei Kindern unter fünf Jahren liege die Sterberate bei über 60 Prozent, bei Erwachsenen bei rund 40 Prozent, sagte Belizaire. WHO-Einsatzleiterin Catherine Smallwood erklärte, Symptome bei kleinen Kindern seien schwer zu erkennen. Rund jede dritte Neuinfektion werde zudem erst nach dem Tod eines Menschen außerhalb eines Behandlungszentrums festgestellt.
Verursacht wird der Ausbruch von der Bundibugyo-Variante des Ebolavirus, gegen die es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Therapie gibt. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter übertragen und kann Fieber, Erbrechen und in schweren Fällen innere und äußere Blutungen auslösen.
Der gegen das Zaire-Ebolavirus zugelassene Impfstoff Ervebo wird im aktuellen Ausbruch im Rahmen von Studien eingesetzt, seine Schutzwirkung gegen Bundibugyo ist bislang nicht belegt.
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