Nach dem Tod von drei Passagieren an Bord des niederländischen Kreuzfahrtschiffs MV Hondius geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Übertragung des Hantavirus zwischen Menschen aus. „Wir vermuten, dass es bei sehr engem Kontakt eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt“, erklärte WHO-Epidemiologin Maria Van Kerkhove laut der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag in Genf. Der erste erkrankte Passagier habe sich vermutlich bereits vor Reiseantritt infiziert.
Wie die AP berichtet, befindet sich das Schiff mit rund 149 Menschen aus 23 Nationen an Bord vor der Küste der Kapverden im Atlantik. Die Behörden des Inselstaates verweigern eine Anlandung aus Gründen des Bevölkerungsschutzes. Das Schiff war am 1. April im argentinischen Ushuaia zu einer mehrwöchigen Polarreise Richtung Antarktis aufgebrochen.
Unter den Toten sind laut Betreiber Oceanwide Expeditions ein 70-jähriger Niederländer, der am 11. April an Bord starb, sowie dessen 69-jährige Ehefrau, die später am Flughafen Johannesburg zusammenbrach und im Krankenhaus verstarb. Bei ihr wurde das Virus posthum nachgewiesen, wie der südafrikanische Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi gegenüber dem Sender SABC bestätigte. Ein dritter Passagier deutscher Nationalität starb am Samstag, die Todesursache ist laut Oceanwide noch nicht festgestellt. Sein Leichnam befindet sich weiter an Bord.
WHO: Fünf weitere Verdachtsfälle
Ein 70-jähriger Brite wurde laut BBC am 27. April nach Südafrika ausgeflogen und liegt in einem Krankenhaus in Johannesburg in kritischem, aber stabilem Zustand auf der Intensivstation. Bei ihm wurde eine Hantavirus-Variante labortechnisch bestätigt.
Laut WHO gibt es fünf weitere Verdachtsfälle. Zwei Crew-Mitglieder – ein Brite und ein Niederländer – zeigen laut Oceanwide akute Atemwegssymptome und benötigen dringend medizinische Versorgung. Niederländische Behörden bereiten die Evakuierung mit zwei medizinisch ausgerüsteten Spezialflugzeugen vor, wie das Unternehmen mitteilte.
Hantaviren werden üblicherweise über Kot, Speichel oder Urin von Nagetieren übertragen, eine Übertragung zwischen Menschen gilt als selten, so die BBC. Eine spezifische Therapie existiert nicht. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, betonte: „Das Risiko für die breite Öffentlichkeit bleibt gering. Es gibt keinen Grund zur Panik oder für Reisebeschränkungen.“
Laut AFP soll das Schiff nun voraussichtlich die Kanarischen Inseln ansteuern – Spanien habe einer Anlandung zugestimmt. Oceanwide nennt Teneriffa oder Las Palmas als mögliche Ziele für eine Ausschiffung mit anschließender medizinischer Untersuchung. Juan Facundo Petrina, Epidemiologie-Direktor der argentinischen Provinz Tierra del Fuego, erklärte gegenüber AP, in der Abreiseregion seien historisch keine Hantavirus-Fälle aufgetreten; eine Inkubation könne jedoch bis zu acht Wochen dauern. Südafrikas Behörden haben mit der Kontaktverfolgung begonnen.
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Drei Tote auf Kreuzfahrtschiff im Atlantik: WHO bestätigt Hantavirus-Fall
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