Wie bei einer schlechten Betriebsfeier

Tobias Schormann
2 Min

Eigentlich kann es doch nur besser werden für das 90 Grad, Berlins krisengeschüttelten Promi-Treff. Schlimmer kann es ja nicht mehr kommen für den selbst ernannten "Club No. 1" - nach dem Brand im Mai, nach dem Angriff auf Geschäftsführer Thomas Aichele im August, nach der Feststellung von Baumängeln in der vergangenen Woche, was die angekündigte Wiedereröffnung am Sonnabend verpatzte. Doch es kam tatsächlich noch schlimmer. Allerdings machte der Promi-Disco diesmal nicht äußere Gewalt zu schaffen. Den jüngsten Tiefpunkt in der Geschichte ihres Clubs erreichten die Macher selbst. Grund war die Idee von Clubbetreiber Nils Heiliger, statt der Eröffnungsfeier ein Oktoberfest zu feiern, um den Gästen wenigstens etwas bieten zu können. Statt "Shanghai Wow" stand am Sonnabend also bayerische Bierseligkeit auf dem Programm, für die Feierlaune wurden im Löwenpalais im Grunewald Bier, Blasmusik und weiß-blaue Girlanden verordnet. So schunkelten die Gäste in Lederhose und Seppelmütze im grellen Licht einer billigen Lichterorgel und ertränkten die Sorgen um ihren geliebten Club in ihren Maßgläsern. Unterhaltungen beschränkten sich dabei weitgehend auf das Frage-Antwort-Spiel: "Lebt denn der alte Holzmichl noch?" Ja, er lebt noch, das hatte wohl auch der Letzte nach der zwanzigsten Wiederholung verstanden. Wobei man sich da nicht ganz sicher sein konnte, wenn man den Kapellmeister betrachtete, der nach einigen Maß Bier bereits den Namen seiner Band vergessen hatte: "Wir sind. Wir heißen. Keine Ahnung. Irgendwas mit bayerisch ."Statt Stars nur SternchenSo viel also zum Niveau der Party, die aber auch fürs Auge wenig zu bieten hatte. Denn während früher Stars wie George Clooney zum erlesenen Gästekreis des Clubs zählten, tummelten sich in der VIP-Zone diesmal nur jede Menge Möchtegern-Sternchen. "Geht da bloß nicht rein - das ist wie eine schlechte Betriebsfeier!", wurden verspätet eintreffende Gäste schon am Eingang von denjenigen gewarnt, die bereits um 23 Uhr die Party wieder verließen und draußen auf ihr Taxi warteten. Womit sie zweifellos Recht hatten. Man kann die Macher des 90 Grad nur bemitleiden - die Wiedereröffnung der seit August geschlossenen "Mutter aller Clubs" gestaltet sich wahrhaftig als äußerst schwierig. Einen Trost kann man ihnen mit auf den Weg geben, wenn es Donnerstag endgültig losgeht: Jetzt kann es wirklich nur noch besser werden.

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