Erinnern Sie sich noch an den publizistischen Furor, der losbrach, als der Podcaster Ben Berndt die Chuzpe besaß, den AfD-Ultra Björn Höcke in sein Studio einzuladen? Der Tenor ging ungefähr so: Wie konnte dieser Gesprächsunternehmer, der nicht einmal gelernter Journalist ist, einen solchen Mann einfach reden lassen – minutenlang, stundenlang, ohne das rettende Geländer aus Einordnung, Unterbrechung und sofortigem Widerspruch?
Wie konnte er es überhaupt wagen, einen Politiker einzuladen, über den Politik und Medien in den letzten Jahren zwar viel geschrieben hatten, den sie sonst aber nur mit der Kneifzange anfassten? In weiten Teilen der Leitmedien wirkte die Kritik zu diesem Podcast-Coup damals beinahe so, als sei schon das Zuhören eine menschliche und journalistische Verfehlung. Mit dieser Ächtung hatte das Publikum jedoch weniger Probleme: Mehr als sechs Millionen Mal wurde die Folge von „ungescripted“ inzwischen abgerufen – eine Reichweite, die Redakteure klassischer Medientalkshows noch heute nervös am Wasserglas nippen lässt.
Podcast
Kein Aufruhr wie bei Höcke: Wie Ben Berndts Interview mit Russlands Botschafter geghostet wird
Während sein Höcke-Interview noch einen Mediensturm entfachte, herrscht zum Gespräch mit Sergej Netschajew erstaunliche Ruhe. Wo bleibt die Zerlegungslust der Gatekeeper?
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Der russische Botschafter Sergej Netschajew (l.) sprach mit Ben Berndt.
© Paulus Ponziak/Ostdeutsche Allgemeine, Rolf Vennenbernd/dpa
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