CSD-Anschlag

„Wir kamen zum Feiern und gehen in ewiger Trauer“: Berlin trauert am Tatort im Tiergarten

Dort, wo Abdul Ballout in die Menschen fuhr, liegen Blumen, stehen Kerzen. Der Tatort im Tiergarten ist zum Trauerort geworden – stiller und persönlicher als jeder offizielle Gottesdienst.

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Trauer im Tiergarten nach dem Anschlag auf den CSD.

Trauer im Tiergarten nach dem Anschlag auf den CSD.

© Susanne Lenz

Das Bedürfnis der Berliner, nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day zusammen zu trauern, äußert sich im Tiergarten. Genau dort, wo Abdul Ballout in die Menschenmenge gefahren ist, eine Frau getötet und 29 andere verletzt hat. Der Tatort ist zu einem Ort der Trauer geworden.

Dort, wo der Ahornsteig die Bellevueallee kreuzt, liegen Blumen, stehen Kerzen, eine Regenbogenflagge liegt auf dem Weg. Ein T-Shirt, das über dem niedrigen Gitter vor der Rasenfläche hängt, trägt die Aufschrift „Pride“. Botschaften liegen zwischen den Blumen. „Wir sind gekommen, um zu feiern, und gehen in ewiger Trauer“, heißt es auf einer Karte, die die Form eines Herzens hat. „Viele wurden körperlich und seelisch verletzt. Wir trauern, wir erinnern, wir stehen zusammen.“

Auf einer anderen Karte steht: „Möge es denen, die um ihr Leben kämpfen, gelingen, den Weg zurückzufinden.“ Immer wieder wird an die Gemeinschaft appelliert. „Don’t let them divide us“, steht da. Lasst nicht zu, dass sie uns spalten. Und: „Unsere Liebe ist stärker als ihr Hass.“

Menschen stehen hier und es ist ganz still. Manche weinen

Es ist eine berührende Szene: Menschen stehen hier und es ist ganz still, als ich am Montagabend dort bin. Manche weinen. Ein Paar (einer der beiden hat sich in eine große Regenbogenfahne gehüllt) steht Arm in Arm. Eine Mutter ist mit ihren beiden kleinen Töchtern gekommen; eines der beiden Kinder legt eine Sonnenblume zu den anderen Sträußen, dann sitzen die drei dicht aneinandergedrängt vor dem Gedenkort.

Immer wieder halten Menschen an und stellen sich dazu. Ein Mann parkt sein Fahrrad und wickelt einen Strauß gelber Astern aus, legt ihn zu den übrigen Blumen. Er sei am Morgen auf dem Weg zur Arbeit hier vorbeigekommen und habe auf dem Weg nach Hause an einem Blumenladen haltgemacht, sagt er. Ein junger Mann, der eine Regenbogenfahne an einem Stab trägt, bleibt im Hintergrund.

In Berlin hat schon am Sonntag, keine 24 Stunden nach dem Anschlag, ein offizieller Trauergottesdienst in der St.-Marien-Kirche stattgefunden, der Bundeskanzler hat daran teilgenommen, aber das Bedürfnis ist mit dieser staatlichen Veranstaltung nicht gestillt. Die Berliner haben sich spontan ihren eigenen Ort geschaffen, an dem sie trauern können. Es geht dort auch darum, zusammen zu sein.

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