Unterschiede zwischen Ost und West? Dem Verkehrsexperten fällt da auch 18 Jahre nach der Wende etwas auf. "Das Straßennetz in Ost-Berlin ist radial auf den Alexanderplatz ausgerichtet, in West-Berlin hat man viele Umgehungsstraßen um die City West gebaut", sagt Alexander West, der beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg im Controlling arbeitet. "Aber sonst sieht man in der Stadt keine Unterschiede mehr", findet der 34-Jährige. Kürzlich hätten ihn seine Eltern aus Stuttgart in Berlin besucht. Während einer Besichtigungstour habe sein Vater irgendwann gesagt, das sei doch nun hier sicher ehemaliger Osten. "Da waren wir irgendwo in Moabit", erzählt West amüsiert.Alexander West kommt, da wird er seinem Nachnamen gerecht, aus West-Deutschland, und in Berlin lebt er in einer Wohnung in Schöneberg. "Aber das hatte ganz praktische Gründe", betont West, der erst im Juni nach Berlin gezogen ist. Er habe nichts gegen den Osten, im Gegenteil. Die zurückliegenden zwölf Jahre hat Herr West nämlich in Ost-Deutschland verbracht.1995 ging West von Stuttgart nach Dresden, um dort zu studieren und anschließend zu promovieren. Die Technische Universität Dresden war und ist noch immer die einzige in Deutschland, die eine eigenständige Fakultät für Verkehrswissenschaften hat. Eine Tradition aus DDR-Zeiten, als es in Dresden die Hochschule für Verkehrswesen "Friedrich List" gab. "Mich interessierte das, und woanders hätte ich Betriebs-, Volkswirtschaft oder Wirtschaftsingenieurwesen studieren und mich später spezialisieren müssen", sagt West, der seinen Traumstudiengang gewissermaßen der Wende verdankt.1989 dachte West über so etwas noch nicht nach. "Ich erinnere mich noch gut an den 9. November und die Pressekonferenz, auf der Günter Schabowski gesagt hat, dass jetzt alle ausreisen dürfen", erzählt West, der damals als 16-Jähriger in Stuttgart vor dem Fernseher saß: "Ich habe das nicht richtig kapiert und dachte, der hat bestimmt einen Fehler gemacht." Die Bilder machten auf ihn den Eindruck, als passiere "etwas Historisches an einem sehr weit entfernten Ort".Sechs Jahre später lebte er selbst an diesem Ort. Nach einer Besichtigung der Dresdner Studentenwohnheime suchte sich Alexander West lieber eine eigene Wohnung, unsaniert, "aber dafür kann ich jetzt mit einem Kohle-Ofen und einem Kohle-Badeofen umgehen", sagt West. Als Exot habe man ihn nicht behandelt, dafür waren unter den Studenten und Dozenten zu viele andere West-Deutsche. Allerdings stammt aus dieser Zeit eines der wenigen Erlebnisse, bei denen sich jemand einen Scherz auf Kosten von Wests Namen machte. In einem Laden musste er seinen Namen nennen. "Da sagte die Verkäuferin, dass der Vorname ja ganz schön ist, aber der Nachname ." Das sei aber schon sehr lange her.------------------------------Foto: Alexander West aus Stuttgart lebt seit Juni in Schöneberg.
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