Künstliche Intelligenz könnte bestehende Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt weiter verschärfen. Davor warnt das Weltwirtschaftsforum in seinem am Mittwoch veröffentlichten Global Gender Gap Report 2026.
Frauen stellen demnach 57 Prozent der Beschäftigten in Berufen, die besonders stark durch generative KI verändert werden könnten. Dabei handelt es sich häufig um qualifizierte Büro-, Verwaltungs- und Dienstleistungsberufe, die Frauen in den vergangenen Jahrzehnten gute und vergleichsweise sichere Einkommen ermöglichten.
„Die betroffenen Tätigkeiten sind tendenziell diejenigen, in denen Frauen besonders stark vertreten sind“, sagte WEF-Managerin Saadia Zahidi bei der Vorstellung des Berichts in London. Viele dieser Berufsbilder würden sich durch KI grundlegend verändern.
Frauen fehlen in der KI-Branche
Gleichzeitig profitieren Frauen bislang deutlich seltener von den neuen Arbeitsplätzen, die durch die Technologie entstehen. Nach Daten des Karrierenetzwerks LinkedIn entfielen im vergangenen Jahr in den USA nur 26 Prozent der Neueinstellungen in KI-Berufen auf Frauen. Bei anderen Stellen lag ihr Anteil bei 50 Prozent.
An der Spitze von KI-Unternehmen ist der Unterschied noch größer. Weltweit sind lediglich 13 Prozent der Führungskräfte auf Vorstandsebene weiblich. Auch bei technischen Fachkenntnissen und Unternehmensgründungen im KI-Bereich liegen Frauen deutlich zurück.
LinkedIn-Managerin Sue Duke forderte Regierungen und Unternehmen laut der Nachrichtenagentur AFP deshalb auf, frühzeitig in die Ausbildung von Mädchen und Frauen zu investieren. Neben einem besseren Zugang zu naturwissenschaftlichen Fächern seien Weiterbildungen während der gesamten beruflichen Laufbahn notwendig.
Berufe werden vor allem verändert
Die Internationale Arbeitsorganisation kommt in einer eigenen Untersuchung zu einem ähnlichen Ergebnis. Berufe mit einem hohen Frauenanteil sind demnach fast doppelt so häufig generativer KI ausgesetzt wie männerdominierte Tätigkeiten. Besonders betroffen sind Sekretariats-, Verwaltungs- und andere Büroarbeiten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Stellen zwangsläufig verschwinden. Die ILO erwartet, dass KI in vielen Fällen zunächst einzelne Aufgaben übernimmt und bestehende Berufe verändert. Entscheidend sei deshalb, ob Beschäftigte rechtzeitig weitergebildet und an den Produktivitätsgewinnen beteiligt würden.
Der WEF-Bericht erscheint seit dem Jahr 2006 und untersucht die Gleichstellung in Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Politik. Zwar hat sich der Abstand zwischen Frauen und Männern weltweit in den vergangenen 20 Jahren verringert. Seit dem Jahr 2016 kommt der Abbau der Ungleichheiten nach Angaben des Forums jedoch deutlich langsamer voran.
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