Wie Max Eberl in seine Rolle als Sportdirektor wächst

Der Indianer von Mönchengladbach

Daniel Theweleit
4 Min

MÖNCHENGLADBACH. Max Eberl hat sich verändert. Zurückhaltend, ja regelrecht schüchtern, trat der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach in der Vorsaison auf. "Ich war ein Nobody, Leute aus dem Umfeld standen mir extrem kritisch gegenüber", erinnert Eberl sich an seine ersten Monate in der verantwortungsvollen Position. In einer turbulenten Zeit war der 35-Jährige im Herbst 2008 in ein Amt hineingeraten, in dem seine Vorgänger Christian Hochstätter, Peter Pander und Christian Ziege viel Geld auf dem Spielermarkt verbrannt, einen Trainer nach dem anderen entlassen und am Ende wenig Erfolg gehabt hatten. Die Position des Sportdirektors war ein wunder Punkt beim Traditionsklub Borussia. "Warum macht Gladbach das denn?", hätten die Leute bei seiner Vorstellung gedacht, erzählt Eberl. Kein Wunder, dass der gebürtige Bayer da erstmal unsicher war, als er auch noch den mitunter furchteinflößenden Trainer Hans Meyer nach Mönchengladbach zurückholte.Am Ende dieses Sommers ist das völlig anders. Inzwischen ist Eberls Stimme fest, wenn er spricht, höflich, aber bestimmt beharrt er auf seiner Meinung, und das neue Selbstvertrauen hat einen Grund: Kein Mönchengladbacher Sportdirektor der jüngeren Vergangenheit agierte ähnlich erfolgreich auf dem Transfermarkt wie Eberl. In der Winterpause stand der Klub mit elf Punkten auf Platz 18 des Tableaus, Eberl holte Paul Stalteri, Dante, Tomas Galasek und Logan Bailly, sie alle schlugen ein, die Klasse wurde gehalten. In der Sommerpause sind nun in Juan Arango und Raúl Bobadilla zwei Spieler an den Niederrhein gekommen, die bislang einen hervorragenden Eindruck hinterließen. Marcel Meeuwis, Marco Reus und der ehemalige Berliner Thorben Marx zeigen ebenfalls vielversprechende Ansätze. "Insgesamt haben wir genau die sechs Spieler geholt, die wir wollten. Jetzt merke ich, dass die Arbeit Früchte trägt", sagt Eberl. Er ist hoch zufrieden mit seinem Werk.Noch lässt sich zwar nicht klar erkennen, wie viel Hans Meyer in den Transfers steckt und welchen Anteil Eberl selbst hat, aber vielleicht wächst da ein großes Sportdirektorentalent heran. Eberl jedenfalls wollte schon immer genau diesen Job machen. "Wenn ich nicht Profi geworden wäre, dann hätte ich trotzdem versucht, ins Management eines Klubs hineinzukommen", sagt er. Im Alter von 31 Jahren beendete er seine Karriere als Profi, weil die Borussia ihm anbot, die Jugendabteilung zu führen, dabei hätte er auch weiterspielen können. "Viele haben damals gesagt: Du spinnst", erinnert Eberl sich. Aber die Chance, Verantwortung bei einem Bundesligisten zu übernehmen, wollte er sich nicht entgehen lassen. Heute sind die Gladbacher stolz auf ihr Eigengewächs.Von A bis Z durchleuchtetAllerdings wirft Eberls Erfolg kein sehr gutes Licht auf seine Vorgänger. "Ich werde nie einen Transfer tätigen, wenn ich nur eine DVD oder nur ein Spiel von einem Spieler gesehen habe", sagt er und beschreibt damit einen Grundsatz, der bei vielen anderen Klubs eine Selbstverständlichkeit ist. In Mönchengladbach gab es noch viel zu verbessern. So hat Eberl einen Mitarbeiter eingestellt, der jeden Kandidaten "von A bis Z durchleuchtet", erzählt er. Wurzeln, Verletzungen, Eskapaden, öffentliche Auftritte, alles, was zu bekommen ist, wird gesammelt. "Am Ende bekomme ich über jeden Spieler, den wir gerne verpflichten wollen, eine Auswertung über zehn, zwölf Seiten, in der es eben nicht darum geht, wie viele Tore einer geschossen hat", berichtet der Sportdirektor.Der nächste Schritt ist nun die endgültige Emanzipation von Hans Meyer, der Eberl geprägt hat. Als Spieler hat er in Mönchengladbach unter Meyer trainiert, und in der vorigen Saison stellten Meyer und Eberl gemeinsam die Weichen für den Klassenerhalt. "Natürlich war er sehr wichtig für mich. Ich habe mitbekommen, wie er über Fußball denkt. Er geht sehr analytisch vor und versucht, Wahrscheinlichkeiten auszuschließen", erzählt Eberl.Der Ziehvater Meyer hat ihm auch seinen Spitznamen verpasst, es gibt nämlich bereits eine Max-Eberl-Biographie mit einem Titel, der auf Meyer zurückgeht. Der Trainer hat einmal gesagt, eine Mannschaft müsse aus Häuptlingen und Indianern bestehen, nur Häuptlinge könnten nicht gewinnen. Die Biografie heißt "Ein Indianer am Niederrhein". Max Eberl weiß, warum. "Ich war bei ihm immer der Vorzeige-Indianer", berichtet er. Er, der sich in seiner zweiten Karriere vielleicht doch noch zum Häuptling entwickelt.------------------------------Foto: "Die Arbeit trägt Früchte": Gladbachs Sportdirektor Max Eberl (l.).

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