Vom ESC-Vorentscheid bis zur Gen Z: Sängerin Mona erklärt im Interview, wie sie der bulgarischen Folklore neues Leben einhaucht.
Mit ihrer einzigartigen Mischung aus authentischer Volksmusik und moderner Popproduktion gibt Mona der traditionellen bulgarischen Musik ein völlig neues Gesicht. Ihr Stil, den die 22-jährige Sängerin selbst als „Gen Z Folklore“ bezeichnet, schlägt Brücken zwischen den Generationen und begeistert eine junge Zielgruppe weit über die Landesgrenzen hinaus.
Im Rahmen der Rubrik „Gen Est“ porträtiert Mode-Insider, Trendscout und Editor-At-Large Julian Daynov Persönlichkeiten, die Bulgariens Kulturszene mit mutigen Ideen neu prägen. Im Gespräch erzählt Mona, wie sie ihren Weg aus einer schweren Krise fand, was die Faszination der bulgarischen Rhythmen ausmacht und wie Musik Tradition mit der Gegenwart verbindet.
Du beschreibst deinen Stil als „Gen Z Folklore“. Was bedeutet das genau?
Ich verbinde authentische bulgarische Folklore mit moderner Popproduktion. Bulgarien besitzt eine unglaublich reiche musikalische Tradition. Jede Region hat ihre eigenen Rhythmen, Gesangstechniken und Geschichten. Für mich gehört Folklore nicht der Vergangenheit an. Sie lebt weiter und kann auch junge Menschen erreichen. Genau daraus entstand die Idee der „Gen Z Folklore“.
Du gehörst selbst zur Generation Z. Welche Herausforderungen erlebt ihr heute in Bulgarien?
Wir sind mit sozialen Medien und einem globalen Blick aufgewachsen. Dadurch sehen wir, welche Möglichkeiten es anderswo gibt. Gleichzeitig erleben viele junge Bulgaren wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Lebenshaltungskosten und politische Strukturen, die oft weit von ihrer Lebensrealität entfernt wirken. Dennoch sehe ich eine Generation voller Kreativität und Tatendrang. Viele wollen ihr Land aktiv mitgestalten.
Du tourst derzeit durch ganz Bulgarien. Wie kamst du eigentlich zur Musik?
Musik begleitet mich seit meiner Kindheit. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die sowohl unsere Volksmusik als auch moderne Musik liebt. Schon früh wusste ich, dass Singen mehr als nur ein Hobby für mich ist. Mit 15 Jahren veröffentlichte ich meinen ersten Song, der auf einem traditionellen bulgarischen Volkslied basiert. Kurz darauf zog ich nach Sofia, um mich ganz auf Musik, Songwriting und meine künstlerische Entwicklung zu konzentrieren.
Wann wusstest du, dass Musik dein Beruf werden könnte?
Das war ein langer Prozess. Die ersten Jahre meiner Karriere waren sehr schwierig. Ich wusste nicht genau, wer ich als Künstlerin sein wollte. Mit 20 fiel ich in eine Depression und dachte ernsthaft darüber nach, mit der Musik aufzuhören. Dann besuchte ich den Eurovision Song Contest zum ersten Mal live. Dort wurde mir klar, dass jeder Künstler eine ganz eigene Stärke besitzt. Ich fragte mich: Was ist meine? Die Antwort war eindeutig: die bulgarische Folklore.
Danach schrieb ich „Zhiva“ – auf Deutsch „Lebendig“. Es war der erste Song, den ich komplett selbst geschrieben habe. Ich widmete ihn meiner Mutter, die zugleich meine beste Freundin ist. Mit diesem Lied begann für mich ein neuer Lebensabschnitt.
Das vergangene Jahr war für dich ein riesiger Karriereschritt, oder?
Ja. Ich durfte an der bulgarischen Vorauswahl für den Eurovision Song Contest teilnehmen. Dadurch erreichte meine Musik ein viel größeres Publikum. Gleichzeitig spielte ich auf einigen der größten Bühnen des Landes und bin inzwischen regelmäßig auf Tour.
Bulgarische Volksmusik wird oft als außergewöhnlich oder sogar mystisch beschrieben. Was macht sie deiner Meinung nach so besonders?
Vor allem ihre Vielfalt. Bulgarien ist in sieben große Folkloreregionen unterteilt, jede mit eigenen musikalischen Traditionen. Besonders faszinierend finde ich den kraftvollen Frauenchor-Gesang. Diese Stimmen berühren Menschen unmittelbar – auch wenn sie kein Bulgarisch verstehen. Zusammen mit den ungewöhnlichen Rhythmen und traditionellen Instrumenten entsteht etwas sehr Emotionales und fast Spirituelles.
Hast du diese Wirkung auch schon außerhalb Bulgariens erlebt?
Ja. Mein erstes internationales Solokonzert gab ich beim Wiwi Jam. Die Reaktionen waren unglaublich bewegend. Viele Besucher verstanden kein Wort der Texte, aber sie erzählten mir später, sie hätten Gänsehaut bekommen. Solche Momente zeigen mir, dass Musik tatsächlich eine universelle Sprache ist.
Warum, glaubst du, identifizieren sich so viele junge Menschen mit deiner Musik?
Meine Eltern und die bulgarische Volksmusik haben meine Werte geprägt. In den alten Liedern steckt viel Lebensweisheit. Sie helfen uns zu verstehen, wer wir sind. Ich fühle mich tief mit Bulgarien verbunden, gleichzeitig aber auch als Teil einer internationalen Musikwelt. Genau diese Verbindung aus Tradition und Gegenwart scheint viele Menschen anzusprechen. Ich kann es kaum erwarten, der Welt die Schönheit der bulgarischen Musik zu zeigen.
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