Wie New Yorker an die Spree gelockt werden sollen

Werbung mit Mauer-Teil und Techno-Film

Eva C. Schweitzer
3 Min

Wieviele Berliner sind denn nun hier? "Ein Flugzeugträger voll?" mutmaßt einer aus der Schar, die mit "be Berlin", der Kampagne von "Berlin Partner", nach New York gekommen waren. Die Kampagne soll junge und kreative New Yorker nach Berlin locken. Und so gab sich Berlin ebenfalls jung und kreativ. Künstler, Designer, Filmemacher und DJs präsentierten sich drei Tage lang im New Museum, einem schicken Kunstmuseum. Das Museum hatte zum 20. Jahrestag des Mauerfalls fünf Mauerteile aus Styropor von Künstlern bemalen lassen, die erst in New York aufgestellt und dann um die Welt bis nach Berlin geschickt werden.Vor allem Hannes Stöhr und Paul Kalkbrenner sorgten mit ihrem Film "Berlin Calling" für einen vollen Saal. "Wir waren in Austin, Texas, und da kannten uns alle schon von YouTube", sagte Stöhr. Den Film über den unter Drogen abgestürzten "DJ Ickarus" kann man so und so verstehen. "Ist das nun ein Film, der Drogen gut findet oder kritisiert?", fragte eine Frau. Stöhr sagte, es gebe eben Künstler, die glaubten Drogen zu brauchen, wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison. Die nächste Frage galt der Love-Parade, der manche New Yorker nachtrauern. Die Berliner jedoch sagten, sie sei zu kommerziell geworden.Der Film "24h Berlin", ein Dokumentarfilm, bei dem Berliner 24 Stunden lang von der Kamera begleitet wurden, stieß auf großes Erstaunen - vor allem wegen der für amerikanische Verhältnisse ungewöhnlichen Finanzierung durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. "Wir haben keinen riesigen englischsprachigen Markt, wir brauchen das", sagte Stöhr. Auch in den USA gebe es staatliche Filmförderung durch Steuernachlässe. Ein bisschen modernen deutschen Film könnte New York gut gebrauchen.Interessiert aufgenommen wurden Iepe Rubingh und Joachim Stein, die das japanische "Pecha Ku cha"-Kunstformat nach Berlin gebracht haben, bitzschnelle Aktionen, in denen etwa der Verkehr mit bunten Bändern blockiert wird. In Berlin, so erzählte Rubingh, wurde er einen Tag lang von der Polizei festgehalten - ein Foto, das ihn fröhlich grinsend in einer "Wanne" zeigte, rief in New York Lachstürme hervor. In Tokyo saß er sogar zehn Tage lang im Gefängnis und in New York hat er eine für 2001 geplante Aktion, den Times Square abzusperren, lieber gleich abgesagt. Es folgte ein Aufstöhnen im Saal, als Rubingh beiläufig seine Miete in Berlin erwähnte - kaum 200 Euro.Empfehlung für die KriseDie drei Millionen Dollar teure Kampagne wurde zuvor im Style Magazine der New York Times und im Stadtmagazin Time Out vorgestellt, der Fox Business Channel nannte Berlin eine "Metropolis of international standing". Time Out verlost zum 9. November eine Reise nach Berlin und hatte eine von Berlin Partner finanzierte Beilage zum Nachtleben. Zugleich empfahl das New York Magazine Berlin als einen Ort für krisengeplagte New Yorker. Denn Berlin sei eine "Künstler- und Hausbesetzer liebende Stadt", in der man billig leben könne.

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