Plagiatsaffären

Thüringer Hochschulen: Aberkennung von Doktortiteln ist selten

Thüringer Unis entziehen nur selten Doktortitel wegen Plagiaten – in 15 Jahren gab es nur zwei Fälle. Die Hochschulen stehen jedoch vor neuen Herausforderungen.

OAZ
2 Min
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt wurde erst kürzlich der Doktortitel aberkannt.

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt wurde erst kürzlich der Doktortitel aberkannt.

© Jacob Schröter/IMAGO

Die TU Chemnitz hatte Thüringens Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) kürzlich den Doktortitel im Rahmen einer Plagiatsaffäre entzogen. Voigt kündigte an, gerichtlich dagegen vorzugehen. Der Fall lenkt den Blick von Sachsen auch auf die Thüringer Hochschulen: Dort sind solche Aberkennungen äußerst selten. Laut einer Sprecherin der Universität Jena sind in den vergangenen 15 Jahren lediglich zwei Fälle bekannt. An anderen Hochschulen im Bundesland, darunter die Technische Universität Ilmenau, die Universität Erfurt und die Bauhaus-Universität Weimar, wurde bisher kein Doktorgrad wegen Plagiatsvorwürfen entzogen.

Nach Angaben der Universität Jena wurden die Hinweise auf mögliche Plagiate in beiden Fällen von externen Quellen eingebracht. Ein öffentlich diskutierter Fall war etwa der des ehemaligen Polizeidirektors von Meiningen, dessen Doktortitel 2013 entzogen wurde. Dabei zeigte sich, dass Plagiatsvorwürfe oft durch sogenannte Plagiatsjäger ans Licht kommen. Seit der medial aufsehenerregenden Aberkennung des Doktortitels von Karl-Theodor zu Guttenberg im Jahr 2011 stehen besonders Politiker und öffentliche Personen unter verstärkter Beobachtung.

Thüringer Universitäten setzen vor allem auf präventive Maßnahmen, um Plagiate zu verhindern. Die Universität Erfurt betont insbesondere die Verteidigung der Dissertation, bei der die Fachkenntnisse und Methoden der Doktoranden geprüft werden. Andere Hochschulen, wie Jena und Ilmenau, setzen auf einen mehrjährigen Betreuungsprozess mit Kolloquien und regelmäßigen Zwischengesprächen.

KI als Herausforderung

Technische Unterstützung durch Plagiatssoftware wird zwar in Ilmenau angeboten, jedoch liegt die Nutzung im Ermessen der Betreuer und Gutachter. Ein standardisierter Einsatz solcher Programme ist an keiner der vier staatlichen Universitäten im Freistaat etabliert.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bei wissenschaftlichen Arbeiten stellt die Hochschulen vor neue Schwierigkeiten. Laut Universität Erfurt kann unerlaubte KI-Nutzung bislang nicht sicher überprüft werden. Zwar bieten Prüfprogramme Wahrscheinlichkeiten an, doch ein definitiver Nachweis ist derzeit technisch nicht möglich. Auch in Jena wird auf sogenannte „KI-Alarmzeichen“ verwiesen, die Gutachter berücksichtigen sollen. Eine zuverlässige Methode zur Erkennung fehlt jedoch. (mit dpa)

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