Wie Senioren zu einer barrierearmen Wohnung kommen können

Selbstständig bis ins hohe Alter

Steffen Vogel
4 Min

BERLIN. Ältere Menschen leben gern selbstständig, so lange es geht. Doch bilden Treppen, Schwellen und schmale Durchgänge für viele Senioren ein Hindernis. Ältere Menschen, die damit Schwierigkeiten haben, müssen jedoch nicht unbedingt umziehen - sie können auch die eigene Wohnung mit wenigen Um- und Einbauten altersgerecht gestalten.Das Gesetz spricht von Barrierefreiheit und erlaubt Maßnahmen, die älteren oder behinderten Menschen den Zugang und die Nutzung der Wohnung erleichtern. Größere Ein- und Umbauten bedürfen unbedingt der Zustimmung des Vermieters. Jedoch kann er diese kaum verweigern. Dazu müssten schon seine Interessen am Erhalt des jeweiligen Zustands dem des behindertengerechten Umbaus schwerer wiegen. Der Vermieter wird in der Regel einen Rückbau nach dem Auszug und eine Geldsicherheit verlangen, die er zusätzlich zur Kaution verlangen kann. Für den Mieter kann dies teuer werden. Jedoch gibt es die Möglichkeit, mit dem Vermieter zu verhandeln. Weil die meisten Mieter die rechtlichen Details nicht kennen, sollten sie sich mit Mieterschützern oder einem Anwalt beraten.Geld für Umbauten"Altersgerechtes Wohnen ist vor allem eine Frage des Geldes", sagt der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins (BMV), Reiner Wild. Eigens durchgeführte Ein- und Umbauten unterstützt die Pflegekasse in jedem Einzelfall mit bis zu 2 557 Euro, sofern eine Pflegestufe vorliegt. Der Mieter muss zehn Prozent der Kosten tragen, jedoch höchstens bis zur Hälfte seiner Bruttoeinnahmen. Kleinere Hilfsmittel übernehmen die Pflegekassen sogar in voller Höhe. Wichtig ist, den Antrag inklusive Kostenvoranschlag vor Baubeginn einzureichen.Auch mancher Vermieter lässt mit sich über eine Kostenübernahme reden. Wohnungsunternehmen müssen nämlich umdenken: Leerstände vor allem am Stadtrand erhöhen den Wettbewerb um Mieter - und Senioren stellen dabei eine wachsende Kundengruppe dar. "Unsere Mitglieder fördern barrierefreie Wohnungen auch, weil es den Komfort nicht nur für Senioren steigert", sagt der Sprecher des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), David Eberhart. Mütter mit Kinderwagen freuen sich ebenfalls über niedrige Schwellen oder Fahrstuhl. Wie bei anderen Modernisierungen auch hole sich der Vermieter die Kosten für Baumaßnahmen meist über die Miete zurück. Vermieter dürfen für Verbesserungen bis zu elf Prozent der Kosten auf die Jahresmiete umlegen.Noch gibt es in Deutschland zu wenig altersgerechte Immobilien, ergab eine Studie des Bundesverbandes freier Immobilien- und Wohnungswirtschaft (BFW). Bis 2020 sind demnach rund 800 000 zusätzliche Seniorenwohnungen notwendig. Dann ist jeder vierte Deutsche über 65 Jahre alt. Allein in Berlin leben in dreizehn Jahren nach Schätzung des Senats mehr als 650 000 Senioren."Berlin hat bereits ein großes Angebot an Spezialangeboten wie Seniorenresidenzen oder betreute Servicewohnhäuser", sagt Reiner Wild vom BMV. Diese seien aber teuer und nur wenige ältere Menschen könnten sich diese leisten. "Für Mieter mit kleiner Rente sieht es in Berlin noch ziemlich schlecht aus", stellt Reiner Wild fest.Die Suche nach einer altersgerechten Wohnung ist für Senioren umständlich, denn der Markt für derartige Immobilien ist unübersichtlich. Ältere Menschen und auch ihre Angehörigen seien mit der komplizierten Suche häufig überfordert. "Es gibt keine Internetseite noch sonst einen Service mit umfassenden Übersichten und Angeboten", berichtet Reiner Wild. Die Leute müssten alle möglichen Vermieter anfragen und die Wohnungen auch selbst besichtigen. Vor allem Senioren ohne Familie sind hier meist auf fremde Hilfe angewiesen, sie stehen jedoch nicht ganz allein da. Während diese Aufgabe in den meisten Bundesländern Wohnberatungsstellen übernehmen, kann man sich in Berlin vor allem an die so genannten "Koordinierungsstellen Rund ums Alter" wenden. Bei diesen können sich ältere Menschen kostenlos beraten und helfen lassen.------------------------------RAT UND HILFESenatsinitiative: Seit einiger Zeit bemüht sich der Berliner Senat um das Thema altersgerechten Wohnens. Gemeinsam mit öffentlichen und privaten Partnern möchte er mittels der "Berliner Initiative Wohnen im Alter" (BIWIA) selbst bestimmtes Wohnen im Alter fördern. Die BIWIA informiert über Probleme und Möglichkeiten auf ihrer Internetseite und plant zudem für nächstes Jahr ein Beratungsbüro als Anlaufstelle für Senioren. Es soll auch ein Gütesiegel für altersgerechte Immobilien entwickelt werden. Informationen unter:www.berlin.de/special/wohnen/alterKoordinierungsstellen Rund ums Alter: Wer keine Familienmitglieder hat, die bei der Suche nach einer passenden barrierearmen Wohnung helfen, kann sich an die Koordinierungsstellen Rund ums Alter wenden. Anlaufpunkte gibt es in jedem Berliner Bezirk, sie werden von unterschiedlichen sozialen Trägern getragen. Speziell geschulte Mitarbeiter besprechen die individuelle Wohnsituation, planen finanzielle Möglichkeiten und helfen bei der Suche. Die Angebote sind kostenfrei. Informationen unter: www.koordinierungsstellen-rundumsalter.de und 0180 - 5950059 (für alle Berliner Bezirke)------------------------------Foto : Wenn sich die Wohnung dafür eignet, dürfen gebrechliche Mieter einen Treppenlift einbauen.

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