Auf technologische Veränderungen, wirtschaftlichen Wettbewerbsdruck und neue regulatorische Anforderungen müssen die Verantwortlichen angemessen reagieren können. Wer neue Märkte erschließen, größere Investitionen planen oder KI im Unternehmen einsetzen will, braucht dafür auch Kenntnisse, die über das eigene Fachgebiet hinausgehen. Gezielte Weiterbildung kann dabei helfen, diese Wissenslücken zu schließen. Welche Themen Vorrang haben, hängt auch davon ab, welche Entscheidungen im Unternehmen anstehen.
Europas Wettbewerbsproblem erreicht den Vorstandstisch
Mit ihrem 2025 vorgestellten Kompass für Wettbewerbsfähigkeit hat die Europäische Kommission drei zentrale Handlungsfelder benannt:
- die Innovationslücke schließen
- Klimaschutz mit Wettbewerbsfähigkeit verbinden
- übermäßige wirtschaftliche Abhängigkeiten reduzieren
Um Ziele umzusetzen, ist in den meisten Fällen Geld erforderlich. Reicht das Budget nicht für mehrere Projekte gleichzeitig, muss die Frage geklärt werden, welches davon am dringendsten ist und welche warten müssen.
Bei mehreren Vorhaben kann jedes einzelne davon für sich plausibel erscheinen und dennoch können sie miteinander konkurrieren. So können zum Beispiel neue Maschinen den Energieverbrauch senken, während eine bessere Software helfen würde, Aufträge schneller zu bearbeiten. Die Geschäftsleitung muss dazu abschätzen können, welche Veränderungen das Unternehmen in den nächsten Jahren beschäftigen werden.
So kann beispielsweise ein neuer Standort Transportwege verkürzen, aber Kapital binden. Eine günstigere Beschaffung kann womöglich die Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten erhöhen. Solche Abwägungen verlangen daher stets Kenntnisse über Finanzierung, operative Abläufe und internationale Rahmenbedingungen.
Um solche Kenntnisse zu vertiefen, sind europäische Executive Education Programme gut geeignet. Dabei handelt es sich um Weiterbildungen für erfahrene Führungskräfte, die ihre Kenntnisse in strategischer Planung, Finanzierung oder Risikomanagement gezielt erweitern möchten.
Die Weiterbildung muss zum Unternehmen passen
Bei der Auswahl einer Weiterbildung kommt es auch auf die Branche an. Eine Bank muss andere Risiken berücksichtigen als ein Maschinenbauer oder ein Softwareunternehmen. Die Inhalte und Beispiele sollten deshalb zur Geschäftstätigkeit passen.
Internationale Fallbeispiele können zeigen, wie Unternehmen unter anderen Marktbedingungen vorgehen. Was davon für den eigenen Betrieb sinnvoll ist, muss allerdings separat geprüft werden. Unterschiede bei den gesetzlichen Vorgaben, Kosten oder Kundenbedürfnissen können dazu führen, dass ein andernorts erfolgreicher Ansatz für das eigene Unternehmen keine gute Wahl ist.
Was die Geschäftsleitung vor dem KI-Einsatz prüfen muss
Eine KI-Anwendung soll Arbeit abnehmen. Müssen Mitarbeiter ständig Fehler berichtigen, bleibt von der versprochenen Zeitersparnis womöglich wenig übrig. Solche zusätzlichen Arbeitsstunden gehören deshalb ebenso in die Kalkulation wie die Rechnung des Softwareanbieters.
Je nach Aufgabe und Ziel der Software muss diese andere Anforderungen erfüllen. Entsprechend unterschiedlich sind die Folgen eines Fehlers. Die Geschäftsleitung braucht deshalb eine genaue Beschreibung der Aufgabe und muss wissen, wer die Ergebnisse kontrolliert.
Drei Fragen vor der Anschaffung
- Nutzen: Welche Arbeit erleichtert die Software, und wie lässt sich die Verbesserung messen?
- Kosten: Wie viel Geld wird einschließlich Einrichtung, Schulungen, Wartung und menschlicher Kontrolle benötigt?
- Fehler: Wer bemerkt falsche Ergebnisse, und wie werden sie korrigiert?
Wer die Anwendung von KI in europäischen Unternehmen plant, muss auch die Frage klären, ob die eigene IT die Betreuung übernehmen kann oder ob ein externer Dienstleister beauftragt werden muss, dessen Gebühren dann einkalkuliert werden müssen. Vor dem Vertragsabschluss muss bei einem solchen Dienstleister außerdem klar sein, welche Daten er einsehen darf und ob gegebenenfalls ein späterer Wechsel des Anbieters problemlos möglich ist.
Wie die Software tatsächlich abschneidet, lässt sich mit einem Test im eigenen Betrieb prüfen. Dabei sind auch die Fälle wichtig und aufschlussreich, in denen sie versagt. Anbieter sollten erklären können, wie ihre Angaben zur Genauigkeit oder Zeitersparnis zustande kommen. Um solche Angaben sinnvoll hinterfragen zu können, brauchen Führungskräfte entsprechende Kenntnisse. Hier kann eine Weiterbildung ansetzen.
EU-Vorgaben im Arbeitsalltag umsetzen
Unternehmen müssen die KI-Kompetenz der Beschäftigten fördern, die mit solchen Systemen arbeiten. Die Anforderungen der Europäischen Kommission an KI-Kompetenz schreiben dafür keinen einheitlichen Kurs vor, denn welche Kenntnisse erforderlich sind, hängt unter anderem vom Einsatz und den Risiken der jeweiligen Anwendung ab. Daher wäre es wenig sinnvoll, ein bestimmtes Zertifikat für alle Beschäftigten unabhängig von der genauen Tätigkeit als passenden Nachweis ihrer erforderlichen Fähigkeiten anzusehen.
Zunächst muss klar sein, welche KI-Anwendungen im Betrieb von wem genutzt werden. Im Anschluss lässt sich dann klären, welche Schulung sinnvoll ist.
In Bezug auf EU-Regeln ist es wichtig zu erkennen, was bereits verbindlich ist und was erst vorgeschlagen wurde. Empfehlungen und Pflichten sollten klar voneinander getrennt werden, damit notwendige Maßnahmen rechtzeitig eingeplant und freiwillige Angebote richtig eingeordnet werden.
Die Ressorts brauchen unterschiedliche Kenntnisse
Wenn eine gemeinsame Wissensbasis vorhanden ist, kann das die Abstimmung im Führungskreis deutlich erleichtern. Bei der Vertiefung des Wissens sollten aber je nach Aufgabe der betreffenden Führungskraft andere Schwerpunkte gesetzt werden. Das S+P Unternehmerforum gliedert seine Seminare für das C-Level entsprechend nach Führungsrollen, darunter CEO, CFO, COO und CRO.
Die Zuordnung in der Tabelle sollte lediglich als grobe Orientierung verstanden werden. In kleineren Unternehmen liegen mehrere dieser Aufgaben häufig bei derselben Person. Dort kann eine Weiterbildung dabei helfen, die verschiedenen Perspektiven einer Entscheidung bewusst voneinander zu trennen. In größeren Organisationen dagegen kommt es stärker darauf an, dass die einzelnen Ressorts ihre Annahmen miteinander abgleichen.
Was die Weiterbildung im Unternehmen verändert
Schon vor einem Seminar sollte feststehen, wofür das zusätzliche Wissen gebraucht wird. Steht etwa eine größere Investition an, kann die Führungskraft anschließend die Kostenrechnung und die Finanzierungsangebote genauer prüfen. Dafür muss neben dem Seminartermin auch Zeit für die Anwendung im Betrieb eingeplant werden.
Ob sich der Aufwand gelohnt hat, zeigt sich an der Qualität dieser Prüfung. Die Führungskraft kann beispielsweise erkennen, welche Kosten bislang fehlten oder welche Annahmen zu optimistisch waren. Ein Teilnahmebeleg allein sagt darüber wenig aus.
Für Europas Unternehmen entsteht Wettbewerbsfähigkeit auch aus solchen alltäglichen Entscheidungen. Aktuelles Wissen ermöglicht es, Chancen genauer zu bewerten und Fehlannahmen rechtzeitig zu korrigieren. Die eigene Weiterbildung gehört deshalb auch bei Vorständen und Geschäftsführern fest in die Terminplanung.
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