Bundespräsident Horst Köhler hat aufgerufen, eine Agenda 2020 zu entwickeln. Die Berliner Zeitung erörtert in loser Folge, wo wir die größten Probleme der Zukunft sehen und was wir uns als Lösung vorstellen können - fiktiv, spekulativ, subjektiv.------------------------------Am 1. Januar 2020 haben die USA turnusgemäß den Vorsitz der G8-Staaten übernommen. Der republikanische Präsident Jeb Bush, der den Demokraten nach zwei Amtszeiten Barack Obamas im Jahr 2016 das Weiße Haus entrissen hat, kündigt das Gipfeltreffen der sieben wirtschaftsstärksten Staaten der westlichen Hemisphäre und Russlands für den Sommer an. Es wird in einem Kongresszentrum mitten in Washington stattfinden. Größere Sicherheitsvorkehrungen werden nicht nötig sein, denn es gibt seit Jahren keine Demonstrationen mehr gegen die Treffen - die Kritiker strafen die G8 mit Missachtung. Denn die haben jahrelang viel versprochen, aber wenig bewirkt. Irgendwann einmal haben es die Menschen gemerkt und waren enttäuscht. Dabei haben die G8 gerade dem Klimawandel wieder einmal entschieden den Kampf angesagt.Das dritte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hat begonnen. Der international agierende Terrorismus hat nach dem natürlichen Tod von Osama bin Laden in einer Felshöhle im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet nicht an Intensität verloren. In Afghanistan bereiten sich die 8 000 dort stationierten Bundeswehrsoldaten auf den 19. Winter vor. Vor kurzem hat die Bundesregierung dem Drängen der Amerikaner nachgegeben, seither kämpfen Deutsche auch im Süden Afghanistans. Die Zahl der Toten wächst.Es werden wieder hoffnungsvolle Sätze über den Nahen Osten laut. Sie klingen wie Sätze aus dem Jahr 2008. US-Präsident Bush sagt, bis zur Wahl im November 2020 könnte es zum Frieden zwischen Israel und den Palästinensern kommen. Es wird eine Ankündigung bleiben. Immerhin aber hat Bushs Vorgänger Obama alle US-Soldaten aus dem Irak abgezogen. Das Land ist zwar nicht befriedet, aber auch nicht in einem Bürgerkrieg versunken.Das ist auch dem Iran zu verdanken, der den Abzug der Amerikaner aus dem Irak nicht ausgenutzt hat. Teheran hat inzwischen die Atombombe, vereinzelte Luftschläge gegen Nuklearfabriken haben das nicht verhindern können.Teheran verlässt sich auf einen diskret agierenden, mächtigen Verbündeten. Der energiefressende Wirtschaftsgigant China, der von den G8 immer noch geschnitten wird, ist zu einer einflussreichen geopolitischen Macht aufgestiegen. China hat sich in Afrika breit gemacht. Kein Rohstoffhandel, der nicht über Peking läuft. Die EU, zu der jetzt auch Serbien und das Kosovo gehören, wird in Afrika immer weniger wahrgenommen. Dafür aber kommen immer mehr Flüchtlinge aus dem Süden nach Europa.Die reale Welt hat sich verändert. Aber die Staatengemeinschaft ist auf dem Stand des ausgehenden 20. Jahrhunderts geblieben. Die G8 haben China, Indien, Brasilien und Südafrika eben nicht in ihren Club aufgenommen. Und der Sicherheitsrat besteht aus denselben Staaten wie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. 2020, heißt es jetzt in Analysen, sei man nicht nicht viel weiter als 2008. Und auch die Argumente sind dieselben geblieben: Nationale Eitelkeiten und die Furcht vor Veränderung haben eine Anpassung an die Wirklichkeit verhindert. Damir Fras
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