MELBOURNE. Tommy Haas fasste das Verhältnis der Kräfte in einem Satz zusammen: "Ich habe das Beste getan, was ich machen konnte, aber es war nicht genug." Nach der Niederlage in der dritten Runde der Australian Open gegen den gespenstisch stark spielenden Rafael Nadal (4:6, 2:6, 2:6) - Haas selbst nannte den Auftritt des Spaniers "außerirdisch" - blieb dem Deutschen nichts anderes übrig, als die Taschen zu packen und sich auf den Weg zurück in seine Wahlheimat Florida zu machen.Er nimmt die Erkenntnis mit, nach fünf Monaten Turnierpause eine ansprechende Rückkehr geschafft zu haben. Und er gibt sich der Hoffnung hin, die Form in den kommenden Wochen stabilisieren zu können, eine Phase möglichst ohne weitere Verletzungen, Rückschläge und Blessuren zu erleben und sich um die Suche nach einem neuen Coach zu kümmern.Es kommt ihm ganz gelegen, in den kommenden Wochen in den USA spielen zu können, auf dem Programm stehen die Turniere in San José, Memphis, Delray Beach, Indian Wells und Miami. Beim Spiel der ersten Runde des Davis Cup gegen Österreich am ersten März-Wochenende in Garmisch-Partenkirchen wird er nicht dabei sein. Das, so Haas, sei mit Teamchef Patrik Kühnen schon besprochen.Knüppel aus dem SackAuch der machte sich nach dem Spiel auf den Heimweg, denn der wichtigere Teil des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres findet wie zuletzt vor fünf Jahren ohne deutsche Beteiligung statt. Patrick Kühnen sagt dazu: "Wir hatten hier am Anfang eine große Anzahl, aber wenn in der zweiten Woche keiner mehr dabei ist, ist das natürlich nie ganz zufriedenstellend."Der Mann, mit dem er früher mal ziemlich erfolgreich in einem Team gespielt hat, sieht dieses Ergebnis als Teil einer alarmierenden Entwicklung. In einem Interview mit Bild am Sonntag sagte Boris Becker: "Viel schlechter stand unser Tennis in seiner Geschichte wohl noch nie da. Wir befinden uns in einer Dürrezeit." Sorgen mache sich der 41-Jährige vor allem um den Nachwuchsbereich; es gebe keinen 19- oder 20-Jährigen, den er in letzter Zeit auf dem Centre Court in Wimbledon, bei den US Open oder bei den Australian Open gesehen habe. Verantwortlich für die Misere wäre Becker zufolge in erster Linie der Verband: "Mir fehlt eine klare Handschrift im sportlichen wie im politischen Bereich des DTB."Was soll man davon halten? Dass der große Meister mit Ausnahme von Wimbledon viel zu selten bei den großen Turnieren anwesend ist, um sich ein so pauschales Urteil zu erlauben? Dass er genügend Chancen gehabt hätte, dem deutschen Nachwuchs Gutes zu tun, aber meist auf halbem Weg umgekehrt ist? Dass er, aus welchen Gründen auch immer, einen Pawlowschen Reflex der Boulevardmedien bedient, die wie er selbst seit Jahren nur noch sporadisch bei den großen Turnieren erscheinen und bei der erstbesten Gelegenheit den Knüppel aus dem Sack holen? Das alles könnte man sagen, ist aber verlorene Liebesmüh. Weil es beim nächsten Mal wieder genauso sein wird. Und weil es offenbar unsagbar langweilig und viel zu anstrengend ist, sich um die feinen Zwischentöne zu bemühen.------------------------------Foto: Sucht nach einem neuen Trainer: Tommy Haas, 30.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]