Wieviel Geld an Betroffene gezahlt werden soll, muss noch mit dem Senat besprochen werden

Zwangsarbeiter: Vier Landesbetriebe zahlen

Marlies Emmerich
2 Min

Vier Unternehmen des Landes Berlin wollen ehemalige NS-Zwangsarbeiter entschädigen. Wie der Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Klaus Wazlak, am Montag bestätigte, hätten sich die Vorstände der BVG, der Berliner Wasserbetriebe (BWB), der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) und der Hafen- und Lagerbetriebe bei einem ersten Gespräch zu dieser Frage darauf verständigt. "Es gibt die prinzipielle Bereitschaft - nicht zuletzt wegen der moralischen Verpflichtung", sagte Wazlak. Vor allem über die Summe müsse noch mit dem Senat geredet werden. Wazlak wies einen Bericht der "tageszeitung" zurück, wonach die Betriebe ein Tausendstel ihres Jahresumsatzes bereitstellen. "Über Kosten ist bisher nicht geredet worden", sagte der BVG-Sprecher. Nach Angaben von Wazlak ist auch nicht sicher, ob die BVG tatsächlich während der NS-Zeit Zwangsarbeiter beschäftigten. "Wir lassen uralte Mitarbeiter befragen", sagte Wazlak. Auch die BSR-Sprecherin Sabine Thümler sagte, dass keine Unterlagen mehr existierten. Studie: 1 000 Lager in BerlinNach einer von dem Historiker Rainer Kubatzki herausgegebenen Studie sollen die Verkehrsbetriebe in Hohenschönhausen, Lichtenberg, Weißensee, Tempelhof und Wedding Zwangsarbeiterlager betrieben haben. Kubatzki nennt als Standorte unter anderem Blankenburg und die Tempelhofer Ringbahnstraße sowie ein Lager in der Weddinger Sellerstraße mit teilweise mehreren hundert Menschen. Genauere Einzelheiten sind über die Lager nicht bekannt. Der Untersuchung zufolge hat es in Berlin rund tausend Zwangsarbeiterlager in fast allen Bezirken gegeben. Die landeseigenen Betriebe werden sich trotz der Bereitschaft zur Entschädigung nicht der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft anschließen. "Wir sind Rechtsnachfolger der öffentlichen Hand", sagte die BSR-Sprecherin. Deshalb müsse eine Regelung auf Landes- oder Bundesebene angestrebt werden. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hatte vor einigen Monaten an alle Berliner Unternehmen appelliert, sich am Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft zu beteiligen - unabhängig davon, ob während der NS-Zeit Zwangsarbeiter beschäftigt wurden oder nicht. Mittlerweile sind nach Angaben der Stiftungsinitiative 69 namentlich bekannte Berliner Firmen dem Entschädigungsfonds beigetreten. Weitere 23 Unternehmen wollen nicht genannt werden.Der Stromkonzern Bewag und das Pharmaunternehmen Schering gehörten zu den ersten Firmen, die dem Entschädigungsfonds beigetreten sind. Auch die Werkzeugmaschinenfabrik Niles, Herlitz und die Bankgesellschaft Berlin haben sich neben vielen kleineren Betrieben der Initiative angeschlossen. Zu den Unterstützern gehört außerdem eine Apotheke und das Seniorenheim am Lietzensee. Bundesweit fehlen für den Entschädigungsfonds noch mehr als zwei von insgesamt fünf Milliarden Mark. Die Bundesregierung hat zugesichert, für die gleiche Summe aufzukommen.

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