Elmar Pieroth geht, die Stadt, schnellebig, wie sie geworden ist, wird ihn nicht lange vermissen. Die Alten, so lautet ein neuer Konsens in Deutschland, seien politisch nicht innovationsfähig genug. Aber wer aus der Generation der 40jährigen wollte denn schon in diesen Börsen-Sturzzeiten heraus aus seinem warmen Amtssessel in Berlin und hinein in die wirre russische Wirtschaft? Pieroth will, auch noch mit 64. Wer wäre 1990 als erfolgreicher West-Politiker in eine untergehende DDR gegangen, um im Magistrat von Ost-Berlin mitzumachen, das Chaos zu sortieren? Pieroth ging. Wer aus der CDU-Spitzenriege hätte sich seinen Wahlkreis im aussichtslosen, PDS-dominierten Hellersdorf gesucht, wo Zehlendorf, Wilmersdorf, Steglitz doch viel naheliegender und dankbarer sind? Pieroth. Wer hätte überhaupt, ganz zu Beginn der Karriere, das viel leichter verdiente Geld auf dem heimischen Weingut in Bingen aufgegeben für so etwas Unstetes wie die Politik? Und wäre dann nach Berlin gegangen, wo die Musik doch in Bonn spielte?Man kann die nun gehandelten Nachfolger alle fragen, ob sie je Gleiches getan hätten wie Pieroth. Die Antwort wäre ein verdruckstes Nein. Und keiner von ihnen hätte sich auch zu Zeiten einer wütenden "Rote-Socken-Kampagne" der CDU-Zentrale demonstrativ mit der roten Petra Pau auf ein Sofa gesetzt, nur um zu zeigen, daß die von der PDS keine Feinde, sondern politische Kontrahenten sind. Ach, die parteipolitische Brille. Pieroth hat sie schon lange abgelegt. Er redet lieber mit Menschen als mit Schubladen. Im Vergleich zu ihm sind die "jungen Wilden" seriell geformte Kuscheltierchen. Wie man seine Leistungen als Senator betrachtet, wird je nach der eigenen Position unterschiedlich sein. Die letzten vier Jahre waren nicht gerade erfolgreich. Aber es gab auch andere Zeiten. Jedenfalls lag Pieroth nicht ganz falsch, als er in den 80er Jahren damals redete noch niemand von der Globalisierung in Berlin auf Technologieparks und Gründerzentren, auf Qualifizierungsoffensiven, Förderung von Dienstleistungen und Umwelttechnik setzte. In Erinnerung also bleibt ein Umtriebiger, ein vom Anpacken Begeisterter. Von der Sorte gibt es nicht viele. Einen besseren Abgang als diesen im Strudel der Senatsumbildung hätte Elmar Pieroth wohl verdient gehabt. Man hätte ihn früher gehen lassen sollen.
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