Wilhelm Recker erkundet seit mehr als 30 Jahren die Wege der Nager - dafür bekam er nun einen Preis

Bibern auf der Spur

Marcel Gäding
3 Min

NIEDERSCHÖNEWEIDE: Wilhelm Reckers jüngste Begegnung mit den Bibern liegt zehn Tage zurück: Am Dienstag vergangener Woche entdeckte er drei Nager am Kraftwerk Oberhavel in Hakenfelde. Diese wie auch alle anderen Beobachtungen hält der 70-jährige Naturschützer in seinem Tagebuch fest. Mit Hilfe dieses Heftes kann Recker beweisen, dass es in Berlin mindestens 20 Biber gibt. Und jeden einzelnen davon kennt er.Seit 1972 ist der inzwischen pensionierte Tierpfleger auf der Spur wildlebender Tiere und vor allem auf der Fährte der Biber. Er verfolgte ihre Spuren an der Oder, am Kremmener Rhin, rund um Zehdenick und in der Schorfheide. Bis 1996 kannte er jedes ihrer Reviere im Nordosten Brandenburgs. Jetzt geht er den Routen der Biber von Oranienburg bis nach Berlin hinein nach. Jeden Tag fährt Recker an die Gewässer in und um Berlin. Spaziergänger verwechseln ihn schon mal wegen seiner grünen Kluft mit dem Förster. Mit einem Fernglas vor den Augen und einem Angler-Hocker unterm Hintern sucht Recker dann nach "seinen" Bibern. An manchen Tagen legt er bis zu zwölf Kilometer zu Fuß zurück. Manchmal, sagt Recker, kommt er den Bibern ganz nah. Dann fängt er an zu reden - und nicht selten hören die Tiere sogar zu. "Ich rede einfach irgendetwas", sagt Recker. Auch mit Grundstücksbesitzern oder Bezirksämtern spricht Recker, wenn er von Baumaßnahmen an Uferbereichen erfährt. Solche Baustellen könnten den Biber nämlich wieder vertreiben.Die Fährten der Biber zu finden, ist für Recker gar nicht so schwer. "Vor allem Fraßstellen an Bäumen verraten mir ihren Weg", sagt er. Und der führt immer häufiger nach Berlin. "Einen Biber haben wir Ende September am Bundeskanzleramt ausfindig gemacht, ein anderer wurde vor einiger Zeit in Bohnsdorf am Straßenland aufgelesen.", sagt Recker. In Berlin gebe es noch genug Lebensraum für den Biber. Der besteht aus bewachsenen Ufern, Sträuchern und jungen Bäumen. Wo kein Bäumchen wächst, hilft Recker nach und pflanzt selber.Die Stiftung Naturschutz Berlin würdigt Reckers Engagement mit dem Victor-Wendland-Ehrenring - eine der höchsten Auszeichnungen für Naturschützer. Gestern wurde ihm der Ehrenring verliehen. Für Berlins Naturschützer ist das von Recker erarbeitete Wissen inzwischen unverzichtbar. Dank seiner akribischen Arbeit gibt es inzwischen einen umfangreichen Überblick über die Berliner Biber.------------------------------Von der Elbe an die SpreeDer Biber (lat. Castor fiber albicus) ist Europas größtes Nagetier. Er kann bis zu 1,40 Meter lang werden. Ein ausgewachsenes Tier bringt bis zu 36 Kilogramm auf die Waage. Ein Biber verputzt bis zu zwei Kilogramm Baumrinde am Tag.Die Vorfahren der Berliner Biber wurden in den 30er-Jahren in der Schorfheide angesiedelt. Sie stammten aus der Elbe-Region. Zu ihrem Lebensraum zählten der Werbellinsee, die Pinnowseen und das Grimnitzbecken. Weil der Wasserstand in ihren feuchten Lebensgebieten zurückging, zogen die Biber weiter.In Berlin leben inzwischen 20 Biber. Ihre Wege führen bereits über die Stadt-Spree ins Innenstadtgebiet. Tiere wurden inzwischen am Nieder Neuendorfer See in Spandau, an der Oberhavel, am Spandauer See, auf dem Valentinswerder am Tegeler See sowie im Spandauer Schifffahrtskanals gesichtet. Entweder wurden die Tiere beim Schwimmen gesehen oder Naturschützer Wilhelm Recker entdeckte von den Bibern gefällte Bäume.Der Biber war schon einmal in Berlin heimisch - 1820 wurde die letzte Biberburg gesichtet. Dann starb er aus, weil er wegen seines Fells und des Fleisches gejagt wurde.------------------------------Foto: Wilhelm Recker (70), Naturschützer

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