Nichts in Lucia Tallovas depotähnlichen Skulpturen-Aufbauten mit hineinmontierten Foto-Fragmenten lässt Larmoyanz aufkommen. Die Slowakin, „Artist of the Year“ 2026 der Deutschen Bank, sagt mit ihren Installationen unsentimental, dass hienieden eben alles seine Zeit hat.
Sie archiviert gewissermaßen ihre Erinnerungen, auch die der Kindheit, als 1989 der Eiserne Vorhang fiel und der Ostblock zusammenbrach. Da war sie vier Jahre alt. „Moving Clouds“ ist ihr Statement zu unserer medial dominierten, durch Krisen und Kriege verstörenden Zeit.
Metaphorisch auf surreale Weise
In ihren Arbeiten überschneidet sich alles auf surreale Weise: Skulptur, Collage, Fotografie, Malerei. Es sind eigenwillige szenische Tableaus, montiert in simple hölzerne Ikea-Regale. Schwarz-Weiß-Fotos hängen wie Fragmente zwischen kippenden, beinahe brechenden hellen Säulen, die mit ihren Kanneluren entfernt an antike dorische erinnern. Metaphern aus Papier, alles entstand durch Handwerk und Geduld.
So endet am letzten Tag des Jahres auch das großzügige Berliner Kunst-Engagement der Deutschen Bank seit fast 30 Jahren Unter den Linden. Die allgemeine Krisensituation ist angeblich nicht der Grund. Die Kunstförderung solle nur „andere Formen“ annehmen, die riesige DB-Kunstsammlung werde bald an vielen anderen Orten gezeigt.
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Das Palais Populaire (einst Opern-Café) dient seit 2018 als repräsentatives Ausstellungshaus der Berliner Kunstförderung der Deutschen Bank. Nun ist am Jahresende Schluss.
© Jürgen Ritter/imago
Wie auch immer, Berlins Kunstlandschaft hat davon profitiert. Zuerst in der Deutschen Guggenheim im Bankhaus Unter den Linden, wo den Berlinern von 1997 bis 2012 klassische Avantgarde offeriert wurde. Dann verwandelt sich der Ort zur DB-Kunsthalle. Kunst aus Berlin und der Welt hatten ihren Auftritt. Und die ganze Stadt ein populäres Riesenspektakel mit „Macht Kunst“. Jeder konnte ein Werk einreichen und es für 24 Stunden öffentlich zeigen. Mehr als 2000 Arbeiten aus Berlins Ateliers waren zu sehen, 12.000 Besucher kamen. Es gab acht Preise von Publikum und Jury.
2018 war der Umzug ins historische einstige Prinzessinnenpalais, ins Palais Populaire. Der Fokus auf nationale und internationale Kunst blieb, die repräsentablen Räume gehörten fortan vornehmlich den jeweiligen „Künstlern des Jahres“. Nun sagt Lucia Tallova an Silvester zum Abschied leise Servus.
Moving Clouds. Palais Populaire, Unter den Linden, Mi–Mo 11–18 Uhr, Di bis 19 Uhr, am 24. und 31. Dezember 11–16 Uhr
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