In den von WindEurope erfassten europäischen Ländern sind im ersten Halbjahr 2026 neue Windräder mit einer Leistung von 8,8 Gigawatt ans Netz gegangen, wie der Branchenverband am Dienstag in Brüssel mitteilte. Das entspricht in etwa der Leistung von acht großen Atomkraftwerken. Deutschland trug mit Abstand am meisten zum Ausbau bei.
Von der neuen Kapazität entfallen 6,5 Gigawatt auf Anlagen an Land und 2,3 Gigawatt auf Windparks im Meer, wie aus dem von WindEurope vorgelegten Bericht „Wind energy in Europe – Autumn 2026“ hervorgeht. In der Europäischen Union wurden 7,1 Gigawatt hinzugebaut – etwas mehr als im Vorjahreszeitraum, als es 5,3 Gigawatt waren.
Insgesamt verfügen die von WindEurope erfassten Länder nun über rund 311 Gigawatt Windkraftleistung, davon knapp 252 Gigawatt in der EU. Erfasst werden neben den EU-Staaten unter anderem Großbritannien, Norwegen, die Schweiz, die Türkei, die Ukraine und mehrere Westbalkan-Staaten. Windkraft lieferte laut dem Verband zuletzt rund 20 Prozent des in Europa erzeugten Stroms. Russland und Belarus sind in den Zahlen nicht enthalten.
Deutschland legt am stärksten zu
Deutschland installierte dem Bericht zufolge im ersten Halbjahr 3,4 Gigawatt an neuer Windkraft – rund 2,4 Gigawatt an Land und knapp 1,1 Gigawatt auf See. Damit entfiel mehr als ein Drittel des Zubaus in den erfassten Ländern auf die Bundesrepublik. Es folgten Großbritannien mit 789 Megawatt und Spanien mit 612 Megawatt. Frankreich kam auf 556 Megawatt, Polen auf 456 Megawatt.
Auch die Ukraine stellte trotz des Krieges neue Windkraftanlagen an Land mit einer Leistung von 414 Megawatt fertig – so viel wie in keinem Halbjahr seit Beginn der russischen Invasion.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet WindEurope in den erfassten Ländern mit 24,1 Gigawatt neuer Windkraft. Das wäre ein Rekord, liegt aber leicht unter der bisherigen Prognose von 25,4 Gigawatt. Bis 2030 soll die installierte Leistung in der EU auf 342 Gigawatt steigen. Das wären rund 90 Gigawatt mehr als heute.
Genehmigungsverfahren bremsen
Als größte Bremse für den Ausbau nennt der Verband weiterhin lange Genehmigungsverfahren und überlastete Stromnetze. Mit Ausnahme Deutschlands seien die Genehmigungszahlen für Windräder an Land im ersten Halbjahr in allen beobachteten Ländern zurückgegangen. In Spanien etwa halbierten sich die Genehmigungen auf 309 Megawatt, in Großbritannien fielen sie von 819 auf 265 Megawatt.
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In Deutschland verkürzte sich die durchschnittliche Genehmigungsdauer nach Angaben des Verbands von einem Höchststand von gut 26 Monaten im Jahr 2023 auf zuletzt knapp 17 Monate. Zugleich vergehen zwischen Genehmigung und Inbetriebnahme in Deutschland demnach inzwischen im Schnitt 31 Monate – vor zehn Jahren waren es noch etwa zwölf Monate.
Neun Milliarden Euro für neue Windparks
In neue Windparks flossen im ersten Halbjahr rund neun Milliarden Euro. Damit wurden 5,2 Gigawatt an neuer Leistung finanziert – etwas weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Regierungen in den erfassten Ländern vergaben in Auktionen Zuschläge für 17,2 Gigawatt neue Kapazität, darunter 8,4 Gigawatt für Offshore-Windparks.
Für das zweite Halbjahr sind laut WindEurope Ausschreibungen über mehr als 24 Gigawatt geplant. Bestellungen für neue Windturbinen lagen mit 10,6 Gigawatt zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert.
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