Der Kaffee ist stark, der Verkehr laut. Autos und Lastwagen rauschen über die Siegfriedstraße in Lichtenberg, während vor dem BVG-Betriebshof Mikrofone aufgebaut werden. Hier will die Berliner Linke an diesem Mittwochmorgen erklären, wie sie Bus und Bahn besser und billiger machen will. Eine allerdings fehlt: Elif Eralp.
Die Bürgermeisterkandidatin war als Hauptperson der Pressekonferenz und der anschließenden Bustour angekündigt. Ohne sie stehen Kristian Ronneburg, verkehrspolitischer Sprecher der Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus, und Ekkehard Spiegel vor den Journalisten. Spiegel ist BVG-Busfahrer und Direktkandidat der Linken in Friedrichshain-Kreuzberg.
Vorbereitung der Pressekonferenz – an einer lauten Straße, dafür direkt neben dem BVG-Betriebshof.
© Jana Hermann/Berliner Zeitung
Ronneburg über „alberne Debatten“ der CDU
Ronneburg eröffnet mit einem Angriff auf Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU). Während Berliner mit Ausfällen und Problemen im Nahverkehr zu kämpfen hätten, beschäftige sich die CDU mit „albernen Debatten“, etwa über Magnetschwebebahnen. Das seien Versuche, „den Fokus wegzulenken von den wahren Problemen“ der Menschen, die jeden Tag mit Bus und Bahn zur Arbeit fahren.
Seine Forderung: Der Nahverkehr müsse „stabil wachsen“. Eine bewusste Abgrenzung vom BVG-Kurs „Stabilität vor Wachstum“, mit dem das Unternehmen seit Ende 2024 zunächst die Zuverlässigkeit verbessern will. Tatsächlich meldete die BVG zuletzt Fortschritte: Im ersten Halbjahr 2026 seien Busse und Straßenbahnen wieder auf hohem Niveau zuverlässig unterwegs, auch bei der U-Bahn habe sich die Lage verbessert.
Harte Schichten, hohe Mieten: Der Alltag eines BVG-Fahrers
Spiegel soll zeigen, wie es hinter dem Steuer aussieht. Frühschichten könnten bereits zwischen 2.30 und 5 Uhr beginnen, gearbeitet werde im Dreischichtsystem. „Die Arbeitsbedingungen in unserem Beruf zählen zu den härtesten hier in Berlin“, sagt er.
Dazu kämen die hohen Mieten. Spiegel erzählt von einem Kollegen, der nach der Trennung von seiner Partnerin keine Wohnung in Berlin gefunden habe, nach Fürstenwalde zog und nach 22 Monaten schließlich auch beruflich nach Brandenburg wechselte. Wenn Beschäftigte in Berlin nicht mehr leben könnten, müssten die Löhne entsprechend steigen, so Spiegel.
Dann geht es in den Bus. Während der Fahrt erzählt Spiegel, wie er selbst zur BVG kam. Früher arbeitete er als Gärtner. Er habe in dem Beruf alles erreicht, sei sogar in der Entwicklungshilfe in Afrika tätig gewesen. Dann kam die berufliche Umorientierung. Bei einem Schnuppertag durfte er einen kleinen Bus fahren. „Dann war ich verloren: Ich wollte Busfahrer werden“, sagt er. Bereut habe er die Entscheidung bis heute keinen Tag.
Normalerweise hinter dem Steuer: Spiegel spricht als Linke-Politiker.
© Jana Hermann/Berliner Zeitung
„Wir sind der Prellbock“
Einfach sei der Alltag trotzdem nicht. Fahrer seien der „Prellbock“, wenn Busse zu spät kämen. Spiegel berichtet von Beleidigungen und vom Anspucken. Anfang dieses Jahres sei er selbst zusammengeschlagen worden, als er einen Bus übernehmen wollte.
Und er ärgert sich über zugeparkte Busspuren. Besonders Lieferfahrzeuge bremsten den Verkehr aus. Aus Busspuren müssten echte „Busschnellspuren“ werden. Schnellere Busse bedeuteten schließlich auch: weniger Fahrzeuge und Fahrer, die für denselben Takt benötigt würden.
Sieben Jahre selbst mitregiert
Ronneburg macht für viele Probleme vor allem den heutigen Senat verantwortlich. Ganz ohne eigene politische Vergangenheit tritt die Linke allerdings nicht zur Wahl an. Von 2016 bis 2023 saß sie sieben Jahre lang mit SPD und Grünen im Senat. Das Verkehrsressort führten zwar die Grünen, die Linke trug als Koalitionspartnerin die gemeinsame Regierungspolitik jedoch mit.
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Und manche Probleme, die an diesem Morgen beklagt werden, sind älter als Schwarz-Rot. Spiegel erzählt im Bus von immer neuen Taskforces und Zukunftsplänen bei der BVG. Schon ältere Kollegen hätten ihm bei seinem Einstieg gesagt, dort werde viel geredet und am Ende wenig umgesetzt. Dieses ständige Hin und Her sei aus Sicht der Beschäftigten „echt Gift“.
Stattdessen brauche die BVG eine Perspektive, die auch einmal zehn Jahre überdauere. Dass ausgerechnet die Linke das nun besser machen könne, obwohl sie sieben Jahre selbst mitregiert hat, hält Spiegel nicht für einen Widerspruch. „Es sind andere Leute“, sagt er im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Die heutige Linke könne die Dinge anders machen als früher. Allein bei der BVG kenne er rund 25 Beschäftigte, die sich in der Linkspartei engagierten und auch „dem Rechtsruck standhalten“ wollten.
Sozialticket wieder für neun Euro
Neben besseren Arbeitsbedingungen will die Linke den Nahverkehr auch wieder günstiger machen. Ein Einzelfahrschein Berlin AB kostet seit Januar vier Euro, das Berlin-Ticket S 27,50 Euro im Monat. Die Linke will das Sozialticket wieder auf neun Euro verbilligen und stärker auf Deutschland- und Jobtickets setzen.
Doch wie weit soll das gehen? Auf die Frage der Berliner Zeitung, ob die Linke langfristig möglichst viele Berliner ins Deutschlandticket bringen und klassische Einzelfahrscheine und Abomodelle damit zurückdrängen wolle, sagt Ronneburg: Man müsse zunächst dort ansetzen, wo Berlin die Preise selbst beeinflussen könne.
Beim Sozialticket sei das unmittelbar möglich. Gleichzeitig hätten Einzelfahrscheine an Bedeutung verloren. Spiegel berichtet aus seinem Arbeitsalltag, dass es Tage gebe, an denen er im Bus keinen einzigen Fahrschein verkaufe.
Ronneburg will deshalb das Jobticket wesentlich stärker verbreiten. Eine Mobilitätsabgabe für Unternehmen könnte nach Vorstellung der Linken dazu beitragen, Beschäftigten Zuschüsse für den ÖPNV zu ermöglichen. Bei anderen Tarifprodukten sind die Möglichkeiten Berlins dagegen begrenzt.
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„Wir machen keine Versprechungen, die wir nicht halten können“, sagt Ronneburg. Nicht jede Fahrkarte soll also zwangsläufig billiger werden.
Für die Presse ist früher Schluss
Die Fahrt endet für die Presse schließlich früher als angekündigt. Eigentlich sollte die Tour nach einem Zwischenstopp am Elsterwerdaer Platz noch bis zur Endhaltestelle der Tram 60 am Albineaplatz führen. Für die Journalisten ist aber bereits in Marzahn-Hellersdorf Schluss.
Kurz vor 9.40 Uhr haben Mitglieder der Linken dort einen Infostand vor dem Einkaufszentrum aufgebaut. Auch die Lokalpolitiker Markus Berg und Steffen Ostehr sind gekommen. Viel Laufkundschaft gibt es zu dieser Uhrzeit allerdings noch nicht. Es ist ein Werktag, die meisten Geschäfte öffnen erst um 10 Uhr. Hinzu kommt: Der Stand liegt etwas abseits jener Wege, auf denen die Passanten zum Einkaufszentrum unterwegs sind.
Ein paar Parteimitglieder stehen bereit, während sich das Einkaufszentrum erst langsam füllt. Zu längeren Gesprächen mit Anwohnern kommt es während des Pressebesuchs kaum. Auch von der anfangs mitgereisten Presse ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel übrig: Die meisten Journalisten haben die Tour bereits verlassen.
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