Jetzt passiert es tatsächlich: Die Stammaktie von Volkswagen wird aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) verbannt - am Mittwoch steigt sie in die zweite Börsenliga ab. Normalerweise führt eine solche Zurückstufung zu einem großen Imageschaden für das betroffene Unternehmen. Denn dadurch rückt die Aktie aus dem Fokus vieler Investoren und verliert an Bedeutung.In diesem Fall liegen die Dinge aber anders, denn VW bleibt über seine Vorzugsaktie im Dax. Diese ersetzt nämlich die Stammaktie in dem Index. Bei der Vorzugsaktie handelt es sich nur um eine andere Aktienkategorie: Der Anleger ist damit genauso an der Firma beteiligt wie mit der Stammaktie, hat aber kein Stimmrecht in der Hauptversammlung. Im Gegenzug erhält er eine etwas höhere Dividende - daher der Begriff Vorzugsaktie.Für die meisten Kleinanleger, die bei einem Unternehmen nicht mitreden sondern nur ihr Kapital vermehren wollen, sollten Vorzugsaktien damit besonders attraktiv sein - zumal diese in der Regel an der Börse etwas billiger zu bekommen sind als die Stammaktien. Bei VW war dieser Kursunterschied lange Zeit gewaltig: Im Zuge des Übernahmeversuchs durch den Sportwagenbauer Porsche schoss der Kurs der Stammaktie im vergangenen Jahr kurzzeitig sogar über die Marke von 1 000 Euro (!) während der Kurs der Vorzugsaktie nur rund ein Zehntel so viel wert war. Der Grund: Im Übernahmepoker um VW kam es auf die Stimmrechte an. Porsche kaufte die Aktien deshalb wie wild auf. Daraufhin sprangen andere Anleger auf die Spekulationsblase auf und ließen den Kurs immer weiter hochschnellen. Die Vorzugsaktien blieben dagegen für Porsche und damit auch für die Spekulanten uninteressant.Doch bekanntlich scheiterte der Übernahmeversuch durch Porsche und damit verloren die VW-Stammaktien ihren strategischen Wert. Daraufhin platzte die Spekulationsblase: Der Kurs der Aktie fiel genauso rasant wie er zuvor gestiegen war. Mittlerweile haben sich Stamm- und Vorzugsaktie im Kurs fast angeglichen. Der Grund, warum die VW-Stammaktie aber nun aus dem Dax herausgenommen wird, ist ein anderer: Vor ein paar Wochen ist das Emirat Katar als Großaktionär bei VW eingestiegen. Dadurch ist die Zahl der frei handelbaren VW-Stammaktien unter die Mindestschwelle von zehn Prozent gerutscht, die für eine Dax-Mitgliedschaft erforderlich ist. Deshalb muss das Papier nun aus dem Dax verschwinden. So sehen es die Regeln der Deutschen Börse vor.Dass die VW-Stämme nun ausgerechnet durch die Vorzüge im Dax ersetzt werden, ist reiner Zufall. Unter allen möglichen Kandidaten erfüllten sie die Kriterien am besten: Sowohl beim Börsenumsatz als auch bei der Marktkapitalisierung sind die VW-Vorzüge unter den Top 30. Analysten erwarten, dass der Kurs der Vorzugsaktie durch den Aufstieg in den Dax nun weiter Boden gut machen wird. Denn jetzt müssen viele Fonds, die sich am Dax orientieren oder den Index nachbilden, die Aktie kaufen. Im Gegenzug müssen sich diese Fonds von den Stammaktien trennen. Drei große Verlierer dieser Entwicklung stehen schon fest: Neben Porsche sind es das Emirat Katar, das 17 Prozent der Stammaktien besitzt, und das Land Niedersachsen, das sogar einen Anteil von 20 Prozent hält.------------------------------Grafik: Volkswagen - Aktien im Vergleich (2007-2009)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]