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„Kontaktverbot aufgehoben“: Geben die Wirtschaftsverbände die Brandmauer zur AfD auf?

Mehrere Verbände in Deutschland diskutieren neu über ihren Umgang mit der AfD. Einige wenden sich von der Brandmauer ab.

Eva Maria Braungart AFP/Eva Maria Braungart
3 Min
Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Wirtschaftsverbands Die Familienunternehmer, äußert sich zur Brandmauer gegen die AfD.

Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Wirtschaftsverbands Die Familienunternehmer, äußert sich zur Brandmauer gegen die AfD.

© Kay Nietfeld/dpa

Mehrere Wirtschaftsverbände haben offenbar begonnen, ihren Umgang mit der AfD zu überdenken. Wie das Handelsblatt berichtete, gibt der Verband Die Familienunternehmer seine bisherige Brandmauer-Strategie auf.

„Im Kern geht es um die Interpretation, was die Brandmauer zur AfD überhaupt ist beziehungsweise was sie bezwecken soll“, sagte Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann der Zeitung.

Verband: Wollen AfD „auf keinen Fall“ in der Regierung sehen

In mehreren Landesverbänden habe es ohnehin „diese Art der Brandmauer noch nie gegeben“, so Ostermann weiter. Der Lobbyverband vertritt rund 6500 Familienunternehmer aus ganz Deutschland. Darunter sind kleine Betriebe ebenso wie Weltkonzerne, darunter etwa BMW. 

„Für uns war die Brandmauer eine totale Isolation der AfD“, die so weit ging, „dass wir AfD-Bundestagsabgeordnete prinzipiell nicht einluden“, fügte Ostermann hinzu. „Diese Art Kontaktverbot haben wir mit dem letzten Parlamentarischen Abend auf Bundesebene aufgehoben – in unseren Landesbereichen hat es diese Art der Brandmauer noch nie gegeben.“ Trotzdem wolle der Verband die AfD „auf keinen Fall als Koalitionspartner in einer Regierung sehen“, betonte sie. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Albrecht von der Hagen, sagte dem Bericht zufolge auf dem Parlamentarischen Abend, die Brandmauer gegen die AfD habe „nichts gebracht“. Weiter sagte er demnach: „Das Konzept, die AfD von allem auszuschließen, ist gescheitert. Wir verabschieden uns von den Brandmauern.“

Die Stiftung Familienunternehmen sieht dagegen keine Veranlassung, ihre Position zu extremen Parteien zu ändern, berichtete das Handelsblatt weiter. Vertreter der AfD oder der Linken würden nicht zu Veranstaltungen eingeladen, „weil deren Wertebasis in weiten Teilen nicht zu der von Familienunternehmen passt“, sagte Stiftungsvorstand Rainer Kirchdörfer. Die Programmatik der AfD gefährde das Familienunternehmertum in Deutschland. „Dies entbindet die Parteien der Mitte selbstverständlich nicht davon, endlich die großen Probleme in Deutschland entschiedener anzugehen“, fügte Kirchdörfer hinzu.

Verband: Umfragewerte sprechen nicht für Wirkung der Brandmauer

Der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) verwies gegenüber dem Handelsblatt auf die hohen Umfrage- und Wahlergebnisse für die AfD. Diese „sprechen derzeit nicht dafür, dass die Strategie der Brandmauer erfolgreich funktioniert hat“, sagte Bundesgeschäftsführer Christoph Ahlhaus.

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Er berichtet von einer „lebhaften“ Debatte in der mittelständischen Wirtschaft über die AfD. Sein Verband werde sich dazu „nicht wegducken und in seinen Gremien zeitnah eine Position erarbeiten“. Auf regionaler Ebene hätten in der Vergangenheit AfD-Vertreter „vereinzelt an Veranstaltungen des BVMW teilgenommen“, sagte er weiter.

Anmerkung: In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es, auch Merk sei Teil des Verbands Die Familienunternehmer. Dies stimmt nicht. Wir haben dies entsprechend korrigiert.

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