Wissenschaft

Historiker entlarvt Galileo-Manuskript als Fälschung

Die vermeintliche Handschrift von Galileo Galilei war mehr als 80 Jahre lang Teil einer Sammlung. Dann prüfte sie der Fälschungsjäger Nick Wilding auf Echtheit.

Franka Klaproth
3 Min
Galileo oder nicht? Eine täuschend echte Fälschung

Galileo oder nicht? Eine täuschend echte Fälschung

© University of Michigan Library

In einer Kunststätte beginnt man zu zittern, wenn eine E-Mail von Nick Wilding im Postfach ist. Der Historiker ist dafür bekannt, Fälschungen aufzudecken. Die Bibliothek der University of Michigan erhielt im Mai ein solches Schreiben, in dem Wilding die Authentizität eines Manuskripts des Universalgelehrten Galileo Galilei (1564-1641) anzweifelte. Bereits 2012 entlarvte der Historiker, der derzeit an einer Biografie über Galilei arbeitet, eine Spezialausgabe der Schrift „Sidereus Nuncius“ des Astronomen als Fälschung.

Die in der Kunstwelt als „Galileo-Manuskript“ firmierende Handschrift ist einer der größten Schätze der Bibliothek und befindet sich schon seit 1938 in ihrem Besitz.  Das einseitige Dokument beinhaltet auf der oberen Hälfte ein Begleitschreiben zur Übergabe eines Teleskops, auf der unteren sind Aufzeichnungen von Teleskopbeobachtungen der Jupitermonde  zu erkennen. Laut Wilding stamme dies nicht von Galilei, sondern wurde erst 300 Jahre später von einem berüchtigten italienischen Fälscher namens Tobia Nicotra verfasst.  

Experte: Wortwahl und Wasserzeichen passen nicht zu Galileo

Er wies in seinem Bericht an die Bibliothek auf die Wortwahl und Wasserzeichen im Papier hin, die nicht zu Galilei und dem 17. Jahrhundert passen würden. Wilding fiel außerdem auf, dass beide Papierhälften unterschiedliche Notizen enthalten, die auf verschiedene Daten zurückzuführen seien, welche Monate auseinanderlägen. Beide seien aber mit derselben Tinte geschrieben. „Das kommt mir alles seltsam vor“, so Wilding, „zwei angeblich verschiedene Dokumente auf einem Blatt Papier. Wieso sind sie im exakt gleichen Braunton geschrieben?“

Die Bibliothek prüfte das Dokument daraufhin und ist nun zum gleichen Schluss gekommen: Das „Galileo-Manuskript“ ist gar keines, sondern eine Fälschung.  Verdächtig daran war neben allem anderen auch, dass die Handschrift in keinem Archiv vor 1930 hinterlegt war. Sie war erst 1934 auf dem Kunstmarkt aufgetaucht, als ein Auktionshaus die Bibliothek des verstorbenen Sammlers Roderick Terry versteigerte. Kardinal Pietro Maffi, der damalige Erzbischof von Pisa, beglaubigte die Schrift als Galileo-Original, nachdem er es mit einem Brief des Universalgelehrten aus eigener Sammlung verglichen hatte. 

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US-Geschäftsmann vererbte das Manuskript an Uni Michigan

Der Käufer, ein Geschäftsmann aus Detroit, vermachte das Manuskript schließlich der University of Michigan – und nun kam Wilding einem Betrug auf die Schliche. Es ist nicht die einzige Fälschung, die Tobia Nicotra zugeschrieben wird, sondern reiht sich ein in eine lange Liste gefälschter Autogramme, Briefe und ähnlichem. Neben Galileo-Schriften fälschte er beispielsweise auch Dokumente von Columbus, Da Vinci und Michelangelo. Vermutlich entsprangen insgesamt 600 Fälschungen seiner Feder, bis er 1934 aufflog und verhaftet wurde.

Die Bibliothek, die die entdeckte Fälschung sehr bedauere, wie sie mitteilt, will sie dennoch nicht aus der Sammlung verschwinden lassen. Vielmehr möchten Kuratoren den Platz des Manuskripts neu bewerten – man könne es als Beispielexemplar für Fälschungen ausstellen. So lerne man mehr auf diesem Gebiet dazu. Das Prüfen und Erforschen von historischen Stücken beschreibt die Bibliothek in einer Pressemeldung als „zeitlose Disziplin, die noch nie so relevant war wie heute.“

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