Wladimir Putin hat ausgewählte Wirtschaftsbosse Russlands an den runden Tisch im Kreml geladen

Separatfrieden mit der russischen Oligarchie

Gisbert Mrozek
3 Min

MOSKAU, 27. Juli. Ob Wladimir Putin einen strategischen Friedensschluss mit der russischen Geschäftswelt will, wird sich nicht erst während des Gespräches herausstellen, zu dem der Präsident sie für Freitag an den runden Tisch in den Kreml einlädt. Die einfluss-reichsten und bekanntesten Wirtschafts- und Finanzgrößen Russlands sind zu den "Friedensverhandlungen", wie das Treffen in der Moskauer Presse bereits genannt wird, gar nicht erst geladen.Von den sieben Bankiers und Industriekapitänen, die Boris Jelzin im Kreml zu versammeln pflegte, stehen auf Putins Einladungsliste nur noch drei - aber auch gegen die laufen bereits Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft. Einzig der Medienmagnat Wladimir Gussinski konnte am Mittwoch aufatmen, als die Staatsanwaltschaft mitteilte, dass die Ermittlungen gegen ihn eingestellt wurden, in deren Verlauf es zu einer vorübergehenden Festnahme Gussinskis gekommen war. Gussinski nutzte das aufgehobene Ausreiseverbot gegen ihn, um nach Spanien auszureisen. Gussinski soll als Gegenleistung zur Ermittlungseinstellung versprochen haben, die Kritik der von ihm kontrollierten Medien am Kreml abzuschwächen.Am runden Tisch im Kreml fehlt auch der Geschäftsmann Boris Beresowski. Gegen ihn ermittelt Sonderstaatsanwalt Nikolai Wolkow mit Hilfe seiner Schweizer Amtskollegen. Die Beresowski-Firmen sollen insgesamt 715 Millionen Dollar aus den Kassen von Aeroflot veruntreut haben. Nicht zugelassen zur Kreml-Audienz ist auch der Bankier Alexander Smolenski, dessen SBS-Agro-Bank noch Jelzins Wahlkampf großzügig finanziert hatte. Bei der Abwicklung der jetzt bankrotten SBS-Agro, zeitweise der größten russischen Privatbank, wurden illegale Geschäfte ruchbar.Unbehelligt von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft blieb bisher noch Roman Abramowitsch, ein Geschäftspartner von Boris Beresowski, der einstige "Kassenwart" der Präsidentenfamilie. Aber auch er wurde zum Treffen mit Putin nicht eingeladen. Er soll seine guten Beziehungen genutzt haben, um die Finanzen seiner Öl-Gesellschaften Sibneft und Slavneftö - die zu den fünf größten russischen Ölgesellschaften gehören - dem Fiskus zu entziehen, stellt das Finanzministerium jetzt in einem internen Gutachten fest. Bei der Aussprache fehlen wird auch Anatoli Tschubajs, gegenwärtig noch Direktor der russischen Energieversorgungsunternehmen. Tschubajs rief Putin auf, die Geschäftswelt wieder zu beruhigen. Die Hauptgefahr für Putin sei gegenwärtig, das Vertrauen der gesamten russischen Wirtschaft zu verlieren, die bereits in Panik zu verfallen drohe. Es dürfe keine Revision der Privatisierung von Staatsbetrieben geben, so Tschubajs, der von 1991 bis 1996 selbst für die Privatisierung verantwortlich war. Einen allgemeinen Friedenspakt zwischen Staat und Wirtschaft will auch der Initiator des Rund-Tisches, Boris Nemtsow erreichen. Die Oligarchen "sollten versprechen, ehrlich Steuern zu zahlen", während Putin Ablass für alte Sünden verspricht. Putin selbst allerdings könnte sich eher an andere Ratgeber halten: Im Nationalen Sicherheitsrat soll eine Konzeption erarbeitet worden sein, alle strategischen Industriebetriebe und Banken wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen, indem ein Oligarch nach dem anderen außer Gefecht gesetzt wird.

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