Fußballweltmeisterschaft

„Rote Linie überschritten“: Uefa greift Fifa im Balogun-Skandal scharf an

Die Uefa wirft der Fifa vor, im Fall Folarin Balogun eine klare Rot-Sperre ausgehebelt zu haben. Belgien legt Einspruch ein, Trumps Anruf bei Infantino sorgt weiter für Kritik.

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Uefa-Präsident Aleksander Čeferin im Gespräch mit Fifa-Chef Gianni Infantino. Im Fall Folarin Balogun greift der europäische Verband die Fifa ungewöhnlich scharf an.

Uefa-Präsident Aleksander Čeferin im Gespräch mit Fifa-Chef Gianni Infantino. Im Fall Folarin Balogun greift der europäische Verband die Fifa ungewöhnlich scharf an.

© imago

Die Europäische Fußball-Union hat die Fifa wegen der ausgesetzten Rot-Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun in ungewöhnlich scharfer Form angegriffen. Die Entscheidung habe eine „rote Linie überschritten“, erklärte die Uefa. Sie sei „beispiellos, unbegreiflich und nicht zu rechtfertigen“.

Der europäische Verband widerspricht damit offen der Rechtsauslegung des Weltverbands. „Manchmal sind Regeln interpretationsoffen. In diesem Fall nicht“, heißt es in der Stellungnahme. Eine automatische Sperre von mindestens einem Spiel nach einer Roten Karte sei keine Ermessensentscheidung, sondern trete unmittelbar in Kraft.

Balogun hatte beim 2:0 der USA gegen Bosnien-Herzegowina nach einem Eingriff des Videoassistenten die Rote Karte gesehen. Der Stürmer traf Tarik Muharemović im Zweikampf am Knöchel. Zuvor hatte er sein drittes Tor bei dieser Weltmeisterschaft erzielt und ist damit bester Torschütze des US-Teams. Belgien hat Einspruch eingelegt, während der Verdacht politischer Einflussnahme durch Donald Trump weiter im Raum steht.

Uefa sieht Integrität der WM gefährdet

Nach den Wettbewerbsregeln hätte Balogun das Achtelfinale gegen Belgien verpassen müssen. Die Fifa berief sich jedoch auf Artikel 27 ihrer Disziplinarordnung und setzte die automatische Sperre für ein Jahr zur Bewährung aus. Die Rote Karte selbst bleibt bestehen. Begeht Balogun innerhalb der Bewährungszeit ein vergleichbares Vergehen, wird die ausgesetzte Sanktion zusätzlich zu einer möglichen neuen Strafe vollstreckt.

Die Uefa hält diese Konstruktion für unzulässig. Die automatische Sperre dürfe nicht mitten in einem laufenden Turnier durch eine Ausnahme ausgehebelt werden, während andere Spieler ihre Strafen regulär abgesessen hätten. Damit schaffe die Fifa einen Präzedenzfall, der sie dazu zwingen könne, vergleichbare Fälle künftig ebenso zu behandeln.

„Wenn die Verlässlichkeit der Regeln von ihren Hütern nicht mehr garantiert wird, steht die Integrität des Spiels auf dem Spiel“, erklärte die Uefa. Auch die Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs werde untergraben. Dass sich der europäische Verband derart offen gegen die Fifa stellt, verschärft den Streit um die Entscheidung erheblich.

Trump bat Infantino um Überprüfung

Für zusätzliche Brisanz sorgt ein persönlicher Anruf von US-Präsident Donald Trump bei Fifa-Chef Gianni Infantino. Nach übereinstimmenden Medienberichten bat Trump den Fifa-Präsidenten, den Fall zu überprüfen. Wenige Tage später setzte die Disziplinarkommission die Sperre aus. Ob der Anruf Einfluss auf die Entscheidung hatte, ist bislang nicht belegt. Die Fifa hat diese Frage nicht öffentlich beantwortet.

Trump begrüßte die Kehrtwende anschließend auf seiner Plattform Truth Social und dankte der Fifa dafür, „das Richtige“ getan und eine „große Ungerechtigkeit“ korrigiert zu haben. Die zeitliche Abfolge und das enge Verhältnis zwischen Trump und Infantino haben den Verdacht politischer Einflussnahme weiter verstärkt.

Noch vor der überraschenden Entscheidung hatte der US-Verband erklärt, gegen die automatische Sperre könne kein Einspruch eingelegt werden. Lediglich eine über das Mindestmaß hinausgehende zusätzliche Strafe wäre anfechtbar gewesen.

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Belgien legt Einspruch gegen Fifa-Entscheidung ein

Der belgische Fußballverband hat inzwischen Einspruch gegen die Spielberechtigung Baloguns eingelegt. Nach einem Bericht von The Athletic räumte die Fifa Belgien das Recht ein, die Entscheidung überprüfen zu lassen. Beide Verbände mussten ihre Stellungnahmen wenige Stunden vor dem Achtelfinale einreichen.

Über den Fall soll dem Bericht zufolge ein Mitglied des Fifa-Berufungsausschusses entscheiden, das weder einem europäischen Verband noch dem nord- und mittelamerikanischen Verband Concacaf angehört. Ob die Entscheidung noch vor dem Anpfiff fällt, ist offen. Bis dahin bleibt Balogun spielberechtigt.

Der belgische Verband hatte die Aussetzung der Sperre bereits zuvor als direkten Widerspruch zur Fifa-Disziplinarordnung und zu den WM-Regularien bezeichnet. Um die Rechte aller Mannschaften und die Grundsätze des Fair Play zu schützen, prüfe Belgien „alle möglichen Optionen“.

US-Trainer Mauricio Pochettino verteidigte dagegen die Freigabe seines Stürmers. Die USA seien durch die rund halbstündige Unterzahl gegen Bosnien-Herzegowina bereits ausreichend bestraft worden. Balogun selbst hatte die Rote Karte zuvor als zu hart bezeichnet, zugleich aber erklärt, die Sperre akzeptieren zu müssen.

Die zentrale Frage bleibt unbeantwortet: Warum setzte die Fifa eine automatische Sperre ausgerechnet für einen Schlüsselspieler des Gastgeberlandes aus, nachdem sich dessen Präsident persönlich an Infantino gewandt hatte? Solange der Weltverband keine vollständige Begründung veröffentlicht, dürfte der Verdacht politischer Einflussnahme den weiteren Verlauf der WM begleiten.

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