Ein mithilfe Künstlicher Intelligenz manipuliertes Bild eines angeblichen Hitler-Doppelgängers beim deutschen WM-Auftakt gegen Curaçao beschäftigt nun auch die Justiz. Der betroffene Fußballfan Jan Weitzel aus Alsfeld in Hessen kündigte rechtliche Schritte gegen die Verbreitung der Aufnahme an. „Ich kann es überhaupt nicht glauben“, sagte er dem Radiosender hr3. Nach seinen Angaben ist auf dem manipulierten Bild vermutlich sein Sohn zu sehen.
Das virale Foto zeigte einen Deutschland-Fan auf der Tribüne, der mit Seitenscheitel und schmalem Schnurrbart an Adolf Hitler erinnern sollte. Ein englischsprachiger Beitrag auf der Plattform X erreichte damit mehr als eine Million Aufrufe. Die Aufnahme verbreitete sich anschließend auf mehreren sozialen Netzwerken und wurde millionenfach angesehen.
Faktenchecker entlarvten die Aufnahme
Bereits kurz nach dem Spiel hatten Faktenchecker der Deutschen Welle, der Deutschen Presse-Agentur und weiterer Medien nachgewiesen, dass das Bild nicht authentisch ist. Die ursprüngliche Jubelszene war während der TV-Übertragung nach dem Elfmeter von Kai Havertz kurz zu sehen. Auf den Originalaufnahmen ist an derselben Stelle kein Hitler-Doppelgänger zu erkennen. Gesicht, Frisur und der charakteristische Schnurrbart wurden nachträglich mithilfe Künstlicher Intelligenz verändert.
Nach Angaben der dpa ließ sich die Manipulation unter anderem durch digitale Wasserzeichen nachweisen, die von Anbietern von KI-Programmen in generierten Bildern hinterlegt werden. Auch ein später verbreitetes Video, das auf der gefälschten Aufnahme basierte und Fans scheinbar beim Hitlergruß zeigte, erwies sich als KI-Fälschung.
Anzeige in Deutschland und den USA
Weitzel erklärte, er habe die Aufnahme zunächst ignoriert. „Für mich ist es ja völlig klar, dass das Bild nicht echt sein kann“, sagte er hr3. Als sich die Fälschung jedoch immer weiter verbreitete, erstattete er nach eigenen Angaben Anzeige in Deutschland und den USA. Auch Familienangehörige und Freunde seien diesen Schritt gegangen. Zudem habe er im Zusammenhang mit dem Fall Kontakt zum FBI gehabt. Nach seinen Angaben wird vermutet, dass der Urheber der Manipulation aus den Vereinigten Staaten stammt.
Mit Unterstützung eines Anwalts will Weitzel nun weitere rechtliche Schritte prüfen. Dabei gehe es insbesondere um mögliche Verstöße gegen Medien- und Persönlichkeitsrechte.
WM-Reise geht weiter
Die Freude an der Weltmeisterschaft will sich der Hesse trotz des Vorfalls nicht nehmen lassen. Gemeinsam mit seinem Sohn reist er weiter durch Nordamerika und besucht auch das zweite deutsche Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste in Toronto.
„Das gute Gefühl lassen wir uns nicht nehmen“, sagte Weitzel dem Radiosender. Für die verbleibenden WM-Tage gelte weiterhin das Motto: „Gute Laune und Spaß haben.“
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