Zahlreiche Touristen wandern durch die anthrazitfarbenen Stelen des Holocaustmahnmals an der Behrenstraße, Ecke Ebertstraße. Die Digitalkameras am langen Arm in die Luft gestreckt. Anschließend gehen sie in die angrenzende Kiosk-Zeile, wo sie sich mit Coffee-to-Go und belegten Bagels erfrischen. Den Tiergarten im Visier oder die rückseitige Fassade des Hotel Adlon mit dem Eingang zum China-Club. Hier werden Touristen kaum hinein gelangen. Nur ein kleiner Teil der Berliner Prominenz hat Zutritt zu dieser mondänen Einrichtung. Wie ein Fremdkörper wirkt dagegen ein schmuddeliger Plattenbau aus den 1980er-Jahren, der eine Baulücke ausfüllt, die der Krieg in die Behrenstraße gerissen hat.Noble Geschäfte und ParkhausAuf der Behrenstraße trifft man auf viel Widersprüchliches: Schließlich führt sie vorbei an dem kompakten Neubau der Komischen Oper, an wuchtigen Fassaden von Banken und Verwaltungsgebäuden, an dem Parkhaus, von dem man sich erstaunt fragt, wie es nur in diese noble Nachbarschaft kommen konnte. An der Friedrichstraße belebt sich das Bild mit Flaneuren und feinen Geschäften. Am geräumigen Bebelplatz löst sich die Behrenstraße plötzlich auf, verschwindet zwischen der Kuppel der katholischen Hedwig-Kirche und der Bibliothek der Humboldt-Universität. Im 2006 eröffneten Hotel de Rome war vor 120 Jahren die Geschäftszentrale der Dresdner Bank untergebracht, bevor die Landesleitung der Berliner SED einzog, die Staatsbank der DDR -und 1990 schließlich die Berliner Bank.Angelegt wurde die Behrenstraße zeitgleich mit der Friedrichstadt bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts vom damaligen Stadtbaudirektor Johann Heinrich Behr, dessen Namen sie seit dem Jahr 1706 trägt. Außerhalb der Stadt war sie als Bankenviertel bekannt, aber auch als Kultur- und Theatermeile im Dunstkreis des Boulevards Unter den Linden. Bewohnt wurde die Behrenstraße im Laufe der Jahrhunderte von vielen bekannten Persönlichkeiten: Der Mathematiker Leonhard Euler lebte hier, wie auch Heinrich Heine, Wilhelm von Humboldt und der Künstler Max Liebermann. 1789 entstand mit der Hausnummer 55 das Deutsche Nationaltheater, das Theater Unter den Linden hatte zur Behrenstraße einen Eingang wie das Metropol-Theater. Heute befindet sich hier der Neubau der Komischen Oper. Zentraler können Berliner eigentlich gar nicht wohnen. Doch wirklich attraktiv ist diese Durchgangsstraße nicht. Die Mietpreise sind entsprechend unterschiedlich: Im sanierten Plattenbau ist der Wohnraum schon für sieben bis acht Euro pro Quadratmeter zu haben. Im sanierten Luxusdachgeschoss müssen Mieter schon mal mit mehr als dem Doppelten rechnen. Eigentumswohnungen der gehobenen Kategorie gibt es erst zwischen 4 500 und 7 000 Euro pro Quadratmeter. Nur mühsam wälzt sich der Verkehr entlang an den gräulichen Fassaden, Abgase hängen in der Luft. Dunkel wie ein Schacht ist die Straße mit ihrer hohen Bebauung. Für Passanten ist sie alles andere als ein angenehmes Pflaster. Dabei sollten innerstädtische Straßen und Plätze eigentlich zum Verweilen einladen, findet die Senatorin für Stadtentwicklung und Verkehr Ingeborg Junge-Reyer. Aus diesem Grund wurde an der Ecke Markgrafenstraße, Ecke Behrenstraße für viele Millionen Euro ein Umbau geplant: Die Fahrbahn wird von zwölf auf elf Meter verkleinert, wodurch Fußgänger mehr Raum bekommen.------------------------------Foto: Die Behrenstraße ist zwar sehr zentral, zum Wohnen aber nur mäßig attraktiv.
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