Wo einst edle Rebsäfte lagerten, befindet sich heute ein gastronomisches Kleinod

Pellkartoffeln im Gewölbe des Schloßturms

Hans-Joachim Schlichtholz
2 Min

Lübben. Wer in Lübben dem derzeitigen Frost entrinnen und sich aufwärmen will, der findet im "Historischen Weinkeller" tief unter dem Schloßturmgewölbe ein idyllisches Refugium.Wo einst der Niederlausitzer Adel edle Rebsäfte aufbewahrte, betreibt Familie Buchholz heute das gastronomische Kleinod. Als Küchenchef bestimmt Arno Buchholz den Speiseplan. Gut 30 preiswerte Gerichte, darunter einheimische Spezialitäten, stehen auf der Karte.Im Spreewald obligatorisch sind Pellkartoffeln mit Leinöl und Quark. Bei Buchholz ist die frische, thymiangewürzte Grützwurst mit Sauerkohl vom Bauern nebenan ebenso eine Delikatesse wie seine individuell komponierten Saucen, deren Geschmacksnuancen wohl immer sein Geheimnis bleiben werden. Den Lammrücken gibt es mit einer kräftigen Knoblauchsauce, die nur von der scharfen Meerrettichsahne zur gepökelten Rinderzunge oder zum Hechtfilet übertroffen wird. Der gut bestückte Weinkeller lädt zum Exkurs in internationale Weinregionen, von denen die meisten auch als Schoppen angeboten werden.Über den Service wacht Frau Edelgard. Auf den Tischen stehen stets frische Blumen. Das feine Silberbesteck bildet einen Kontrast zum meterdicken Gewölbe der zwei kleinen Gasträume. An den Wänden erinnern historische Waffen und ritterliche Accessoires an die einst so bedeutsame Wehranlage.Der Turm zu Lübben ist eines der ältesten und schönsten Baudenkmale der Niederlausitz. Er ist der Rest einer mittelalterlichen Burg, die seinerzeit von Wall und Wassergraben umgeben eine uneinnehmbare Festung war. Seit dem 13. Jahrhundert wechselten hier viele Dynastien einander ab. 1561 ließ Felix von Lobkowitz auf den Grundmauern der baufälligen Burg ein zweistöckiges Schloß erbauen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde es erneuert. Der schmucke Renaissance-Giebel an der Ostseite und das Sandsteinportal mit dem herzöglichen Wappen zeugen davon. Innen lädt heute der reich verzierte Wappensaal, einst Huldigungsstätte der Obrigkeit, und das Trauzimmer unter kunstvoll bemaltem Kreuzgewölbe zum Besuch.Ein Tip für Spaziergänger: Wanderwege, insgesamt fast 400 Kilometer lang und gut ausgeschildert, locken durch die auch im Winter herrliche Auenlandschaft. In Schlepzig ist das agrarhistorische Museum ein Anziehungspunkt und Straupitz kann mit einer ansehnlichen Schinkelkirche aufwarten.Historischer Weinkeller Lübben, E.-v.-Houwald-Damm 14, Tel.: 03546/4078, geöffnet ist dienstags bis sonntags von 12 bis 23 Uhr. +++

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