Wenn am 29. August die 48. Internationale Funkausstellung (IFA) beginnt, werden sich einige Besucher verwundert die Augen reiben. Vor allem, wenn sie sich im Untergeschoss der Hallen eins bis vier umschauen. Was dort gezeigt wird, hat mit einer Funkausstellung, wie es sie früher in Berlin gab, nämlich überhaupt nichts mehr zu tun: Eine Dunstabzugshaube mit "Verstand" soll präsentiert werden, ein Trockner, der rekordverdächtig wenig Energie braucht, eine Maschine, die zwei Latte Macchiato gleichzeitig kredenzt, Kühlschränke mit integriertem LCD-Fernseher und Staubsauger, die Staub mit Wasser binden.Die IFA wird in diesem Jahr zum Gemischtwarenladen: Neben den neuesten Trends der Unterhaltungselektronik werden erstmals auch Haushaltsgeräte, die sogenannte "weiße Ware", ausgestellt. Das hat zwar mit dem bisherigen Angebot der IFA nichts zu tun. Wolfgang Tunze, Sprecher des Messemitveranstalters Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GFU), findet es aber dennoch folgerichtig. "Im Handel sind weiße und braune Ware schon längst unter einem Dach und die Haushaltsgeräte-Industrie ist schon lange auf der Suche nach einem festen Messe-Konzept." Hersteller wie Siemens würden sowohl Haushaltsgeräte als auch Fernseher produzieren. Auch IFA-Sprecherin Nicole Jahn sagt, man reagiere damit nur auf Forderungen des Marktes.Dass die Messe-Gesellschaft Probleme hat, ihre Hallen mit dem seit drei Jahren jährlichen Turnus vollzubekommen, wird bestritten. "Die Unterhaltungselektronik ist so stark wie im Vorjahr vertreten", sagt Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin. Zudem sei man nun gleich auch die weltweit größte Messe für Elektrohausgeräte. Mit temporären Hallen werde zusätzlich 11 000 Quadratmeter Platz geschaffen, um alle Aussteller unterzubringen.Die diesjährige IFA wird mit 30 Hallen also größer sein als in den vergangenen Jahren. Das Star-Aufgebot allerdings ist nicht rekordverdächtig. Die wirklich großen Stars, die in den 1990ern noch vertreten waren, fehlen. Seit Jahren schon. Das liegt daran, dass Hörfunk- und Fernsehen weniger als früher vertreten sind. 2001 wurden noch 24 Fernseh- und 25 Hörfunksender auf der IFA gezählt, in diesem Jahr sind es zusammen rund ein Dutzend. Vor allem die großen Privatsender haben sich zurückgezogen. Kristina Faßler, Sprecherin von Sat.1, erklärt, die IFA sei eine Messe zuallererst für Elektronik, die Sender seien lediglich "nette Begleitmusik". Man erreiche die Zuschauer bundesweit mit anderen Aktionen. Andere Sender wie N-TV kommen nur dann, wenn sie technische Innovationen vorstellen wollen wie in diesem Jahr das interaktive Fernsehen für Windows Vista.Geblieben sind in erster Linie die öffentlich-rechtlichen Sender, die sich in gleichem Umfang wie 2007 präsentieren und jetzt ihre Fernsehköche mitbringen. Dass sie mit Kühlschränken und Waschmaschinen vergrault werden, ist deshalb nicht zu befürchten. "Wir sind gespannt, wie sich das auf die Besucher auswirkt und hoffen, dass das ein neues Zugpferd wird", sagt Claudia Korte-Hempel, Sprecherin des RBB.Für die größere IFA müssen Besucher 50 Cent beziehungsweise einen Euro mehr bezahlen als im Vorjahr: im Vorverkauf 10 Euro (an S-Bahn- und BVG-Schaltern), vor Ort 14 Euro für das Tagesticket. Bereits an diesem Sonnabend veranstaltet die Messe die erste "IFA-Nacht des Hörens". Shuttle-Busse verkehren zwischen der Deutschen Pop-Akademie, dem Dussmann-Kulturkaufhaus, Hörbars, Tonstudios und Star FM, denn ein IFA-Schwerpunkt ist auch das Thema Hören. (mit xach.)------------------------------Stars und Sternchen im SommergartenBands und Musiker: Im IFA-Sommergarten treten Loona, Frank Schöbel und die Hot Banditoz auf. Roland Kaiser gibt am 30. August um 20 Uhr ein Open-Air-Konzert (Karten 24 Euro im Vorverkauf).Bereits am 29. August, 14 Uhr, findet eine Ferienabschlussparty für Teenager statt, es spielen Cinema Bizarre, Panik, Eisblume und The Glam (Eintritt mit IFA-Ticket). Am 31. August gibt es bei "Cubano Aleman" ein Konzert mit Mitgliedern des Buena Vista Social Club und Silbermond, Juli, Ich+Ich, 2raumwohnung, Culcha Candela sowie Jan Delay (Karten im Vorverkauf 28 Euro). Auf der Bühne der ARD tritt am 2. September Volksmusikstar Florian Silbereisen auf. Beim ZDF singt Nevio.Schauspieler: In der ARD-Halle werden Fernsehkommissare erwartet. Mit dabei: Jaecki Schwarz, Wolfgang Winkler, Oliver Momsen. Auch Schauspielerin Alexandra Kamp wird kommen, außerdem Entertainer Kurt Krömer.Moderatoren: Neben Anne Will und Sandra Maischberger kann man auf der IFA auch Günter Netzer und Gerhard Delling live erleben.Köche: Ralf Zacherl, Christian Mittermeier, Tim Raue, Christian Henze, Alfons Schubeck und Jürgen Koch werden ihre Kochkünste zeigen.Sportler: Die Box-Promis Nikolai Valuev und John Ruiz treten auf der IFA zum offiziellen Wiegen an.------------------------------Mit dem Hörfunk fing es anDie erste IFA begann am 4. Dezember 1924. Damals hieß sie Große Deutsche Funk-Ausstellung, hatte 242 Aussteller und 180 000 Besucher.Bis zum Zweiten Weltkrieg fand die Große Deutsche Funk-Ausstellungen jährlich in Berlin statt. Im Mittelpunkt stand der Hörfunk, ab 1928 gab es auf der Ausstellung auch Fernsehvorführungen.Nach dem Krieg gastierte die Ausstellung in Düsseldorf, Frankfurt/Main und Stuttgart. 1971 kam sie als Internationale Funkausstellung dauerhaft nach Berlin zurück. Bis 2005 fand sie alle zwei Jahre statt, danach jährlich.Zur Multimedia-Messe entwickelte sich die IFA in den 90er-Jahren. 1991 feierte sie mit 515 000 Besuchern einen Besucher-Rekord.In den vergangenen Jahren wurde die IFA immer mehr zur Unterhaltungselektronik-Messe. Telekommunikation und Informationstechnologie kamen dazu. Seit 2007 taucht im Logo der Messe nur noch IFA, nicht mehr Internationale Funkausstellung auf.Haushaltsgeräte, also "Home Appliances", werden in diesem Jahr erstmals gezeigt.------------------------------Foto: 2raumwohnung tritt mit kubanischen Musikern auf.------------------------------Foto: Entertainer Kurt Krömer wird am 1. September erwartet.------------------------------Foto: Anne Will kommt als ARD-Star auf die IFA.------------------------------Foto: Bei der IFA 1963 passte der Name Funkausstellung noch. Damals standen Radioempfänger im Mittelpunkt.------------------------------Foto: (5) Unverkennbar, bei dieser Werbung der Berliner Messegesellschaft kann es sich nur um die Internationale Funkausstellung 2008 handeln - oder ?
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