Seit einer Woche sind in der City West Gästebetreuer unterwegs / Wir haben den Service getestetCHARLOTTENBURG. Sie sollen Touristen helfen, sich in Berlin zurecht zu finden. Seit einer Woche ist das City-Info-Team auf Kudamm und Tauentzien unterwegs. 15 Ein-Euro-Jobber, weisen den Weg zu Sehenswürdigkeiten, antworten auf Fragen und helfen, wenn Pass oder Geldbörse weg sind - per Diensthandy können sie die Polizei rufen. Im Auftrag der Berliner Zeitung hat die US-Amerikanerin Lisa Shoemaker den neuen Service getestet. Die 48-jährige Autorin lebt seit Jahren in Kreuzberg. Für einen Tag war sie eine Touristin, die zum ersten Mal in Berlin ist, kein Wort Deutsch spricht - und ganz viele Fragen hat.----Auf dem Breitscheidplatz sitzen Menschen in der Sonne, Touristengruppen drängen sich vor der Gedächtniskirche. Es ist 10.30 Uhr. Lisa bezieht Position, ausgerüstet mit einem nicht mehr ganz aktuellen Stadtplan. Kein Info-Scout ist zu sehen. Eine halbe Stunde später nähern sich zwei Teams, je drei Männer und Frauen. Weil es warm ist, haben sie nicht ihre blauen Uniformjacken an, nur weiße Hemden und Blusen mit der Aufschrift "City Info-Team". Im Gedränge fallen sie kaum auf, jeder Fünfte trägt ein weißes Oberteil.Lisa pirscht sich an drei Frauen heran. Sie blättert angestrengt im Stadtplan. Eigentlich sollen die Scouts in solchen Fällen fragen, ob sie helfen können. Aber nichts geschieht. Also wird die vermeintliche Touristin selbst aktiv und spricht den Trupp an. Alle können Englisch, allerdings nicht perfekt. Lisa fallen immer wieder neue Fragen ein: Mein Hotel am Flughafen gefällt mir nicht, wo finde ich hier ein neues? Wo ist das KaDeWe und wo starten Stadtrundfahrten? Ich will Berlin-Souvenirs und Schuhe kaufen, wo am Besten? Wie komme ich zum Holocaust-Mahnmal und zum Jüdischen Museum? Und wo gibt es Deutsche Küche, Würstel mit Sauerkraut?Mehr als 20 Minuten dauert das Gespräch. Abfahrtspunkte für Rundfahrten werden gezeigt und gleich noch ein Tipp gegeben: Mit dem 100er-Bus ist es preiswerter. Damit kommt man auch zum Brandenburger Tor und zum Holocaust-Mahnmal. Falsch allerdings: Das Jüdische Museum befindet sich in der Kreuzberger Lindenstraße, und nicht in der Fasanenstraße. Dort ist das Haus der Jüdischen Gemeinde. Ein bisschen mager auch die Antwort zu den Hotels. Es gibt nur einen Verweis auf ein Fünf-Sterne-Haus, keine Preise. Und mit deutscher Küche kennen sich die Betreuerinnen auch nicht so aus: Angepriesen wird die Nobel-Wurstbude Kudamm 195, "die beste Currywurst Berlins". Sauerkraut und auch Rotkraut ("ebenfalls typisch deutsch") bekomme man bestimmt in der Feinschmeckeretage des KaDeWe(???).Als die Info-Scouts mit den vielen Fragen langsam überfordert sind, bringen sie die vermeintliche Berlin-Reisende zur Tourismus-Information am Europa-Center. Ihre Handys, mit denen sie das Hotel Palace oder die Betreiber des Internetportals kurfuerstendamm.de für Online-Abfragen erreichen können, haben sie nicht genutzt.Eigentlich wollte Lisa noch ein zweites Info-Team testen, trotz eineinhalbstündiger Suche zwischen Nürnberger Straße und Olivaer Platz ist keines mehr zu finden.Fazit: Der Service hält noch nicht ganz, was er verspricht. Über stadtbekannte Sehenswürdigkeiten wie das Jüdische Museum müssen die Info-Scouts Bescheid wissen, auch wenn sich ihr Wirkungsgebiet nur um den Kudamm erstreckt. Die Online-Nachfrage für Details wie Öffnungszeiten und Preise sollte genutzt werden. Lobenswert die Freundlichkeit, mit der auf anstrengende Gäste reagiert wird. Verbesserungswürdig ist das Outfit: In ihren braven Uniformen gehen die Scouts in der Menge unter und sind schlecht zu finden. Weil auf Grund der Arbeitszeitbegrenzung auf 30 Wochenstunden täglich nur zwei Teams unterwegs sind, wäre es besser, man würde sie an touristischen Hauptorten der City West postieren.------------------------------Foto: Hilflos mit Stadtplan: Die US-Amerikanerin Lisa Shoemaker testete am Breitscheidplatz das neue City Info-Team.
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