WG in Neukölln: Niemals geht man so ganz
Hier, das ist die Zweizimmerwohnung in der Brunnenstraße, in der Trang Hong mit ihrem Mann, einem Wirtschaftsjournalisten lebt. Auch in dem großzügigen Garten, der zum Altbauhaus gehört, veranstaltet sie oft Abendessen. 20 Gäste bringt sie dann an einer langen Tafel zusammen, es gibt Themenabende, zu italienischer Pasta schallen italienische Opern durch den Hinterhof, oder es wird gegrillt und viel getrunken. „Es gibt viele kleine Kniffe, mit denen sich so ein Abend rund machen lässt“, sagt Hong. „Ein paar schöne Stoffservietten vielleicht, oder man nimmt einen Stift in die Hand und schreibt das Menü hübsch auf.“
Aus Kimonogürteln ließ Trang Hong Kissen machen, den „Butterfly“-Hocker von Vitra nutzt sie als Beistelltisch.
© Dahahm Choi
Es ist diese Detailliebe, die auch Trang Hongs Wohnung ausmacht. Und ihr solides Wissen um den guten Geschmack, um Designerinnen und Designer, die perfekte Balance aus Klassikern und Klüngel. Die bunten Esszimmerstühle? „‚Serie 7‘, hergestellt von Fritz Hansen, entworfen von Arne Jacobsen.“ Die tulpenförmige Lampe über dem runden Marmortisch? „‚Semi‘-Pendelleuchte, wird heute von Gubi angeboten, diese stammt noch aus den 70ern, als sie von Fog & Mørup hergestellt wurde.“ Die Wandfarben? „‚Skimming Stone‘ im Wohnzimmer, ‚Joa’s White‘ im Schlafzimmer, beide von Farrow & Ball.“ Sofort kann Trang Hong jede Frage zu ihrem achtsam kuratierten Interieur beantworten, lange überlegen muss sie nie.
Im Ankleidezimmer steht der beigefarbene Bold Chair von Moustache, auf dem Couchtisch Alvar Aaltos „Savoy“-Vase von Iittala.
© Dahahm Choi
Das ist besonders charmant, weil sich in ihrer Wohnung eben nicht nur die Entwürfe der ganz großen Namen aneinanderdrücken – auch die Hausherrin selbst wird entwerferisch aktiv. Die Bogenlampe im Wohnbereich zum Beispiel, die sich über eine weiße Version des „Togo“-Sessels von Ligne Roset beugt, hat sie sozusagen selbst gemacht. Den „Semi“-Lampenschirm, den gleichen, der auch über dem Esstisch hängt, hat sie kurzerhand um eine Bogenhalterung ergänzt. Auf dem „Butterfly“-Hocker von Vitra – in Hongs Wohnung zum Beistelltisch entfremdet – steht ein kräftiger, organisch geformter Kerzenhalter, den sie selbst getöpfert hat, im Schlafzimmer hängt eines ihrer eigenen, großformatigen Gemälde.
Über dem Klavier hängt eine Textilarbeit des Berliner Designstudios Teuber Kohlhoff. Die Kerzenhalter darunter hat Hong selbst getöpfert.
© Dahahm Choi
Überhaupt füllt eine interessante Mischung ihre Wände. Die rechteckigen Elemente mit dem Farbverlauf im Wohnzimmer stammen von Hongs Schwester, sie korrespondieren hervorragend mit einer Textilarbeit des Berliner Designstudios Teuber Kohlhoff. Das Stoffstück, auf dem winzige bunte Sechsecke ebenso einen Farbverlauf ergeben, ist zwischen zwei Plexiglasplatten eingefasst. Es hängt über dem alten Klavier ihres Mannes – vis-a-vis eines Kunstdruckes von Carl Blochs „In einer römischen Osteria“. „Bei dem war ich mir gar nicht so sicher, ob ich es ausgerechnet über dem Esstisch hängen haben will, weil die Restaurantgäste auf dem Bild den Betrachter so herablassend anschauen, selbst die Katze in der Ecke guckt irgendwie judgy“, sagt Hong und lacht ihr herzliches, ansteckendes Lachen.
Auf dem extra angefertigten Bettkasten strahl Mauricio Klabins „Eclipse“-Leuchte. Vom Bett aus schaut man auf das abstrakte Bild rechts, das Trang Hong selbst gemalt hat.
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In ihren Restaurants dürften sich solche Szenen kaum abspielen. Das Klub Kitchen in der Almstadtstraße ist seit Jahren einer der beliebtesten Lunch-Places von ganz Mitte, mit dem Charlottenburger Klub Kitchen West ist vor wenigen Wochen ein zweites Lokal in der Uhlandstraße hinzugekommen. Und es sei eben nicht nur die wohldurchdachte, moderne Karte, die ihre Restaurants so beliebt macht, meint die Chefin. „Ich glaube, es ist das Gesamtkonzept, das stimmen muss“, sagt Hong, die auch für die Gestaltung ihrer Lokale verantwortlich war. „Wir wollen, dass es zum Lifestyle der Gäste gehört, bei uns essen zu gehen.“ Und auch wenn die hell und luftig gestalteten Restaurants naturgemäß etwas praktischer angelegt sind, so gibt es durchaus Parallelen zu Hongs privaten Raumkonzepten.
Neben dem futuristisch geformten Stuhl von Thonet hängt im Schlafzimmer ein rund 100 Jahre alter japanischer Kimono.
© Dahahm Choi
Die ungewöhnlich geformten, ungewohnt verformten Teller etwa, auf denen sie zum Interview die Haselnuss-Choux serviert, werden auch im Klub Kitchen benutzt. „Das sind eigene Entwürfe, die wir extra für uns in Vietnam anfertigen lassen“, erzählt Hong. „Die Tonminerale kommen direkt aus dem Mekong-Delta, die Keramiken werden von Hand für uns getöpfert. Das Kunsthandwerk hat in Vietnam einen hohen Stellenwert, das imponiert mir sehr.“ Überhaupt verweisen viele Details in ihrer Wohnung auf die Kulturgeschichte verschiedener asiatischer Länder.
Privat nutzt Hong die gleichen Teller wie im Restaurant, es sind Sonderanfertigungen aus Vietnam. Links die bernsteinfarbene Vase „Ostrea“ von Hein Studios, rechts eine grüne Karaffe von Hay.
© Dahahm Choi
Gleich an der Wohnungstür zum Beispiel prangt eine chinesische Fischskulptur, die Glück und Überfluss bringen soll. Und im Schlafzimmer, direkt neben dem Stuhl von Thonet, hängt ein antiker Kimono, rund 100 Jahre ist er alt. Trang Hong sammelt die traditionellen japanischen Kleidungsstücke, aus manchen lässt sie auch neue Dinge schneidern. Der Stoff der kleinen, rechteckigen Kissen etwa, die auf dem Sofa im Wohnbereich und auf einem großzügigen Hocker im Schlafzimmer liegen, stammen von einem Obi, einem breiten, bunt gemusterten Kimono-Gürtel.
Die Stühle der „Serie 7“ von Fritz Hansen kontrastieren aufs Schönste mit dem Kunstdruck von Carl Blochs „In einer römischen Osteria“.
© Dahahm Choi
Es ist bemerkenswert, wie warm und einladend, wie natürlich diese Wohnung wirkt, trotz ihrer sehr hellen, sehr vornehmen Gestaltung. Würde man durch eine andere Wohnung dieser Kategorie eher auf Zehenspitzen schleichen, stets darauf bedacht, sich nicht daneben, sich bloß gut zu benehmen, so will man es sich bei Trang Hong gleich gemütlich machen. Was natürlich nicht nur an den weichen, aufgeplusterten Polstermöbeln liegt – sondern vor allem auch an der Gastgeberin. „So soll es sein, Hauptsache, ihr fühlt euch wohl“, sagt Trang Hong und schenkt noch einmal Rabarberschorle nach.
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