Mieterprotest

Wohnungskrise in Spanien: Protest gegen hohe Mieten und Spekulation in Madrid

Die Demonstrierenden fordern unbefristete Verträge, niedrigere Wohnkosten und höhere Mindestlöhne. Für Juni kündigten Mieterverbände Proteste in 24 spanischen Städten an.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
In Madrid demonstrieren Menschen für bezahlbaren Wohnraum und gegen steigende Mieten.

In Madrid demonstrieren Menschen für bezahlbaren Wohnraum und gegen steigende Mieten.

© Juan Carlos Lucas/imago

Tausende Menschen haben am Sonntag in Madrid für bezahlbares Wohnen demonstriert. Die staatlichen Behörden in Madrid bezifferten die Zahl der Teilnehmer auf rund 23.000. Der veranstaltende Mieterverband Sindicato de Inquilinas sprach von 80.000 bis 100.000 Demonstranten. Das berichtet die Tageszeitung El País.

Protestzug durch Madrids Zentrum

Der Protestzug startete am Mittag am Bahnhof Atocha. Unter dem Motto „Wohnen kostet uns das Leben. Senken wir die Preise“ forderten die Demonstranten eine Rückkehr zu unbefristeten Mietverträgen, eine Senkung der Mieten sowie eine Anhebung von Mindestlöhnen und Mindestrenten auf 1500 Euro. Der Sindicato de Inquilinas kündigte laut El País für Juni Proteste in 24 spanischen Städten an.

Nach Angaben der Organisatoren sind die Mieten in Madrid in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen, die durchschnittliche Miete in der Region liege bei mehr als 1500 Euro im Monat. Familien gäben teils über 70 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus. Für diese Entwicklung macht der Verband Vermieter, Investmentfonds und Immobilienunternehmen verantwortlich.

Alicia del Río, die Sprecherin des Mieterverbands, rief dazu auf, der „Diktatur der Renditechase“ mit Ungehorsam zu begegnen. Von den Gewerkschaften forderte sie einen Generalstreik gegen das „Geschäft mit dem Wohnen“. Den Regierungen warf sie laut El País vor, öffentliche Mittel zum Schutz von Vermieterinteressen einzusetzen.

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Regierung verspricht mehr Sozialwohnungen

Die Wohnungskrise zählt zu den zentralen politischen Schwachstellen des Ministerpräsidenten Pedro Sánchez vor den Wahlen 2027, berichtet AP. Der Politiker von der sozialistischen PSOE regiert in Spanien seit Juni 2018; seit November 2023 führt er eine linke Minderheitskoalition aus PSOE und Sumar.

Laut AP hat Spanien eine starke Tradition des Wohneigentums und wenig öffentlichen Mietwohnraum. Die Mieten werden zusätzlich durch Tourismus und Zuwanderung in die Höhe getrieben. Im vergangenen Monat verabschiedete die Regierung einen Plan im Umfang von sieben Milliarden Euro, um in den kommenden vier Jahren mehr Sozialwohnungen zu bauen und junge Mieter sowie Käufer zu unterstützen. Eine Verlängerung befristeter Mietobergrenzen scheiterte im Parlament.

Laut der EU-Statistikbehörde Eurostat stiegen die Wohnkosten Ende 2025 im Jahresvergleich um knapp 13 Prozent, wie AP berichtet. Die spanische Notenbank schätzt das Wohnungsdefizit auf 700.000 Einheiten. Spanien zählte im vergangenen Jahr 97 Millionen internationale Besucher; eine zentrale Forderung der Proteste ist ein schärferes Vorgehen gegen Ferienwohnungen in Innenstädten.

Breites Bündnis gegen Wohnkosten

Die Demonstration wurde auch vom Nachbarschaftsdachverband FRAVM mitgetragen, der nach eigenen Angaben seine rund 300 Mitgliedsverbände zur Teilnahme aufrief. Die FRAVM fordert einen Ausbau des öffentlichen Mietwohnungsbestands, eine dauerhafte Bindung von Sozialwohnungen, die Nutzung leerstehender Wohnungen sowie eine strengere Regulierung von Ferienwohnungen und befristeten Mietverträgen. Amnesty International Madrid unterstützte den Aufruf und erklärte, der Zugang zu Wohnraum sei ein Menschenrecht.

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