In einer abgelegenen Wüstenregion im US-Bundesstaat Nevada ist ein gewaltiges Vorkommen strategisch wichtiger Rohstoffe entdeckt worden. Nach neuen Untersuchungen des Bergbauunternehmens 3 Proton Lithium, kurz 3PL, lagern allein im Railroad Valley schätzungsweise 1,78 Millionen Tonnen Wolfram. Sollte sich das Metall wirtschaftlich fördern lassen, wäre es nach Angaben des Unternehmens das mit Abstand größte bekannte Wolframvorkommen der USA.
Die Dimension ist erheblich. Das Vorkommen wäre nach Berechnungen von 3PL mehr als fünfmal so groß wie das bislang größte bekannte US-Vorkommen. Allein das Wolfram bewertet das Unternehmen bei den derzeitigen Marktpreisen mit rund 152 Milliarden US-Dollar. Die Financial Times, die den aktuellen Ressourcenbericht nach eigenen Angaben einsehen konnte, berichtete Anfang August über die Ergebnisse.
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Lithium, Bor und Kalisalz: Rohstoffe sollen 3,5 Billionen US-Dollar wert sein
Doch unter dem Wüstenboden steckt offenbar weit mehr. Bei den Untersuchungen wurden auch große Vorkommen von Lithium, Bor und Kalisalz festgestellt. Das Technikportal Interesting Engineering beziffert unter Berufung auf den Ressourcenbericht den theoretischen Marktwert der dort vermuteten Mineralien insgesamt auf rund 3,5 Billionen US-Dollar.
Dabei handelt es sich allerdings nicht um den wirtschaftlichen Wert einer fertigen Mine. Die Rechnung beruht auf Rohstoffmengen und aktuellen Marktpreisen. Kosten für Förderung und Verarbeitung, technisch tatsächlich gewinnbare Mengen, Genehmigungen und mögliche künftige Preisänderungen sind darin nicht berücksichtigt.
Tagebau in Round Mountain im US-Bundesstaat Nevada. Das Bild zeigt nicht das neue Wolfram-Vorkommen im Railroad Valley, verdeutlicht aber die Dimension des Rohstoffabbaus in der Region.
© Jim West/imago
Wolfram wird für Waffen, Flugzeuge und Turbinen gebraucht
Vor allem der Wolframfund ist für Washington von strategischer Bedeutung. Das extrem hitzebeständige Metall wird unter anderem für Werkzeugmaschinen, Turbinenteile, Flugzeuge und militärische Legierungen verwendet. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums ist Wolfram für Luftfahrt, Militärfahrzeuge und Munition unverzichtbar.
Die USA fördern seit Jahren kein Wolfram mehr kommerziell und sind auf Importe und Recycling angewiesen. Der US Geological Survey weist Wolfram auf seiner aktuellen Liste als besonders kritischen Rohstoff aus. China besitzt nach jüngsten USGS-Daten rund 52 Prozent der bekannten weltweiten Wolframreserven. Nach Angaben der Financial Times kontrolliert das Land rund 80 Prozent des Marktes. Chinesische Exportbeschränkungen und die steigende Nachfrage aus Rüstungs- und Luftfahrtindustrie haben die Preise seit Februar 2025 massiv steigen lassen.
Wie ernst Washington das Problem nimmt, zeigt eine Entscheidung des Pentagon aus dem vergangenen Jahr. Das Verteidigungsministerium stellte 6,2 Millionen US-Dollar für die Vorbereitung eines anderen Wolframprojekts in Nevada bereit. Ziel sei es, die heimische Produktion des strategischen Metalls wieder aufzubauen.
Trump will kritische Rohstoffe schneller fördern
Präsident Donald Trump hat die Verringerung der amerikanischen Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen zur nationalen Priorität erklärt. Im März 2025 ordnete er an, Genehmigungen für Bergbauprojekte zu beschleunigen und staatliche Finanzierungsmöglichkeiten auszubauen. Die Regierung begründete den Schritt ausdrücklich mit Risiken für die wirtschaftliche und nationale Sicherheit.
Auch das Railroad-Valley-Projekt profitierte davon. Das Bureau of Land Management genehmigte 3PL im Juni 2025 weitere Erkundungsarbeiten. Gesucht werden dort ausdrücklich Lithium, Bor, Wolfram, Natrium, Kalium und Phosphat. Das Projekt wurde zudem in ein Bundesprogramm zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren aufgenommen.
Ausgerechnet die Nasa steht einem Teil des Projekts im Weg
Doch 3PL kann längst nicht überall bohren. Ein Teil der Lagerstätte liegt unter einem Gebiet, das für die Nasa von besonderer Bedeutung ist. Die Raumfahrtbehörde nutzt das ausgetrocknete Seebecken im Railroad Valley bereits seit 1993, um Instrumente von Erdbeobachtungssatelliten zu kalibrieren. Die außergewöhnlich flache, vegetationslose und über Jahrzehnte kaum veränderte Oberfläche mache den Standort dafür einzigartig, erklärt die Nasa.
Auf Antrag der Nasa zog die US-Landbehörde deshalb 2023 einen großen Teil des Gebiets für 20 Jahre aus der mineralischen Erschließung zurück. Bergbau könnte die Oberfläche verändern und den Standort für die Kalibrierung unbrauchbar machen. Nach Angaben der Financial Times betrifft die Beschränkung ungefähr ein Drittel der Flächen, auf die 3PL Ansprüche erhebt. Die Nasa erklärte der Zeitung, ihre Position habe sich nicht geändert.
3PL versucht nun, die Regierung und den Kongress zu einer Änderung der Beschränkungen zu bewegen. Das Unternehmen argumentiert mit der nationalen Sicherheit und der Abhängigkeit der USA von ausländischen Lieferanten.
Schnell dürfte aus dem Rohstofffund dennoch keine produzierende Mine werden. Timothy Puko von der Beratungsfirma Eurasia Group warnte gegenüber der Financial Times vor überzogenen Erwartungen. Selbst unter günstigen Bedingungen sei eine Erschließung frühestens in etwa fünf Jahren realistisch. Bis dahin könne sich sowohl bei den Rohstoffpreisen als auch bei der Wirtschaftlichkeit des Projekts noch viel verändern.
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