THOMAS ROGALLAwill in der Mauergedenkstätte nicht nur historische Texttafeln lesen.------------------------------Hermetisch. Unüberwindbar. Bedrohlich. Einschüchternd, Viele solcher Adjektive treffen auf die Berliner Mauer zu. Mit Worten allein ist aber den Nachgeborenen das Gefühl, von diesem Bauwerk ein- oder ausgesperrt zu sein, nicht beschreibbar. Das Gedenken stützt sich heute aber weitgehend auf Buchstaben, Bilder, Filme. Es sind ja kaum noch Mauerabschnitte als Anschauungsobjekt vorhanden.Die Bernauer Straße ist eine der wenigen Ausnahmen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, Menschen beim Thema Teilung auch in ihren Empfindungen anzusprechen, dann hier. Dabei geht es nicht um propagandistische Überwältigungsstrategie, die Feind der Aufklärung ist. Es droht auch kein Mauer-Disneyland, wenn man,wie jetzt diskutiert wird, einige Original-Mauerstücke, die 1997 an der Bernauer Straße entfernt wurden, jetzt in die Lücken zurückstellt. Denkmalpflegerische Einsprüche überzeugen nicht. Schließlich soll dort sogar ein Original-Wachturm wieder aufgestellt werden. Frevel? Und die Geschichte des Mauerabrisses nach 1989 wird schon auf 160 Kilometern Mauerweg um West-Berlin eindrücklich erzählt. Die Bernauer sollte deshalb die 212 Meter Mauer betonen, die es dort noch gibt.Der eigentliche, pragmatische Grund, eine Lücke in der Mauer lassen zu wollen, heißt Sophiengemeinde. Dort hat sich viel bewegt, weg von purer Ablehnung des Mauergedenkens hin zu Verhandlungen und Kompromiss. Das ist gut, aber nicht gut genug. Es kann nicht sein, dass die Kirche als Grundstückseigentümerin die zentrale deutsche Mauergedenkstätte wegen 20 Metern Mauer aufs Spiel setzt. Eigentum verpflichtet! Es wäre übrigens schön, wenn die CDU, statt zu kritisieren, darüber mit den widerstrebenden Kräften in der Gemeinde mal Gespräche führen würde, von Christ zu Christ. Seite 17
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