Unterwasserarchäologie

Wracks vor Rügen identifiziert: „Postillion“ und „Cecilie“ sanken 1714 im Ostsee-Eis

Zwei im Großen Nordischen Krieg gesunkene Schiffe geben Einblicke in das Leben schwedischer Seeleute. Mecklenburg-Vorpommern dringt auf einen besseren Schutz solcher Fundplätze.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Das Stockholmer Vrak-Museum war an der Identifizierung und Untersuchung der beiden schwedischen Wracks vor Rügen beteiligt.

Das Stockholmer Vrak-Museum war an der Identifizierung und Untersuchung der beiden schwedischen Wracks vor Rügen beteiligt.

© Jack Mikrut/imago

Wissenschaftler des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD) und des schwedischen Vrak-Museums aus Stockholm haben am Donnerstag in Schwerin erstmals Fundstücke von zwei schwedischen Schiffswracks aus der Ostsee vor Rügen vorgestellt. Darunter ist ein rund 400 Kilogramm schweres Bronzekanonenrohr, das bei einem gemeinsamen Tauchprojekt im Juni geborgen wurde.

Die Stücke werden nun im LAKD wissenschaftlich ausgewertet, teilte das Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten mit.

Bei den Wracks handelt es sich nach Angaben des LAKD um die Fregatte „Postillion“ und das bewaffnete Handelsschiff „Cecilie“. Beide Schiffe seien im Dezember 1714 zwischen Rügen und Usedom im Treibeis gesunken.

Wegen des harten Winters und der zunehmenden Kampfhandlungen im Großen Nordischen Krieg (1700–1721), in dem Schweden mit Russland, Dänemark und weiteren Staaten um die Vorherrschaft im Ostseeraum kämpfte, sei damals keine Bergung erfolgt. Die Wracks gerieten in Vergessenheit, bis sie bei Bauarbeiten zufällig wiederentdeckt wurden – die „Cecilie“ 2010, die „Postillion“ 2016.

Identifizierung über schwedische Datenbank

Erst in den vergangenen Jahren seien die Fundplätze genauer untersucht worden, nachdem festgestellt wurde, dass sie durch Erosion gefährdet sind. Die endgültige Identifizierung erfolgte laut LAKD im Dezember 2025 und bildete die Grundlage für die gemeinsamen Tauchuntersuchungen im Juni.

Nach Angaben des Vrak-Museums gelang die Zuordnung mithilfe der Datenbank „Örloggen“, die im Forschungsprogramm „Die vergessene Flotte“ entstanden ist. Vrak-Marinarchäologe Jim Hansson erklärte, ein Archivdokument habe zwei 1714 im Eis verlorene Schiffe beschrieben.

An dem Tauchprojekt unter Federführung des LAKD beteiligten sich nach Angaben des Ministeriums auch Fachleute der Universität Rostock, des Stavanger Maritime Museum in Norwegen und der Universität Warschau.

Neben dem Kanonenrohr wurden zahlreiche Ausrüstungs- und Alltagsgegenstände geborgen. Unterwasserarchäologe Jens Auer vom LAKD sagte, die Funde erzählten davon, wie die Besatzung damals gelebt habe. Da die Schiffe rasch untergegangen seien, sei Inventar weitgehend an Bord geblieben. Die Wracks selbst sollen am Meeresgrund verbleiben und dort weiter erforscht werden – eine vollständige Bergung würde den Fundplatz teilweise zerstören.

Land fordert Ratifizierung von Unesco-Konvention

Wissenschaftsministerin Bettina Martin (SPD) sagte, das Projekt zeige, dass die Landesgeschichte nur im europäischen Zusammenhang zu verstehen sei. Das Gebiet um Rügen gehörte fast 200 Jahre zu Schwedisch-Pommern.

Martin forderte, Deutschland müsse die Unesco-Konvention von 2001 zum Schutz des Unterwasserkulturerbes, ein völkerrechtliches Abkommen zur Sicherung archäologischer Fundstätten unter Wasser, ratifizieren. Nur so lasse sich das Kulturerbe unter Wasser gemeinsam mit anderen Staaten erforschen und vor Plünderung schützen.

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LAKD-Direktorin Ramona Dornbusch verwies darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern das einzige Bundesland mit einem hauptamtlichen Unterwasserarchäologen sei. Geplant sei, die „Postillion“ und die „Cecilie“ gemeinsam mit den schwedischen Partnern weiter zu untersuchen, um mehr über die in Vorpommern stationierten Marineeinheiten Schwedens zu erfahren.

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