Ein chinesisches Gericht hat den früheren Parteichef der Provinz Hubei, Jiang Chaoliang, wegen Bestechung zum Tode verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts nahm der einstige Spitzenfunktionär über drei Jahrzehnte Geld und Vermögenswerte im Gesamtwert von mehr als 746 Millionen Yuan an. Das entspricht rund 111 Millionen US-Dollar.
Das Mittlere Volksgericht der ostchinesischen Stadt Nanjing verhängte die Todesstrafe mit einem Aufschub von zwei Jahren. Jiangs gesamtes persönliches Vermögen wird eingezogen. Zudem verlor er seine politischen Rechte auf Lebenszeit.
Hingerichtet werden soll der frühere Funktionär nach dem derzeitigen Urteil jedoch nicht.
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Todesstrafe wird in lebenslange Haft umgewandelt
Das Gericht ordnete ausdrücklich an, die Todesstrafe nach Ablauf der zweijährigen Frist in eine lebenslange Freiheitsstrafe umzuwandeln. Jiang soll bis zu seinem Tod in Haft bleiben. Eine spätere Strafminderung oder Freilassung auf Bewährung schloss das Gericht aus.
Die in russischen und internationalen Schlagzeilen verwendete Formulierung „Todesstrafe“ ist damit zwar juristisch richtig. Sie bedeutet in diesem Fall aber keine unmittelbar bevorstehende Hinrichtung.
In seiner Mitteilung zum Urteil erklärte das Oberste Volksgericht, die Höhe der Bestechungsgelder und die Schäden für Staat und Bevölkerung hätten grundsätzlich die Todesstrafe gerechtfertigt.
Das Gericht berücksichtigte jedoch mehrere mildernde Umstände. Jiang habe die Taten gestanden, Reue gezeigt und einen großen Teil der den Ermittlern zuvor unbekannten Bestechungsfälle offengelegt. Zudem habe er Hinweise auf schwere Straftaten anderer Personen geliefert und bei der Rückgabe der illegal erlangten Vermögenswerte mitgewirkt.
Jiang Chaoliang soll 30 Jahre lang Bestechungsgeld kassiert haben
Nach den gerichtlichen Feststellungen nahm Jiang zwischen 1995 und 2025 Bestechungsgelder an. Im Gegenzug soll er Unternehmen und Einzelpersonen bei Kreditentscheidungen, Geschäftsabschlüssen, Bauaufträgen und beruflichen Beförderungen geholfen haben.
Der heute 68-Jährige bekleidete über Jahre zentrale Positionen im chinesischen Finanzwesen. Er stand an der Spitze der Agricultural Bank of China und der Bank of Communications. Zudem leitete er die staatliche China Development Bank.
Später wechselte Jiang vollständig in die Politik. Er wurde Gouverneur der Provinz Jilin und schließlich Parteichef von Hubei. Der Parteisekretär ist in einer chinesischen Provinz der mächtigste Funktionär und steht politisch über dem Gouverneur.
Nach Corona-Ausbruch in Wuhan abgesetzt
International bekannt wurde Jiang während des Corona-Ausbruchs in Wuhan, der Hauptstadt von Hubei. Die chinesische Führung setzte ihn im Februar 2020 als Parteichef ab, nachdem die Behörden wegen ihres Umgangs mit den ersten Infektionen massiv kritisiert worden waren.
Jiang blieb anschließend zunächst Mitglied des Nationalen Volkskongresses. Im Februar 2025 leitete die chinesische Antikorruptionsbehörde Ermittlungen gegen ihn ein. Im Oktober wurde er aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und aus seinen öffentlichen Ämtern entfernt.
Der Prozess begann am 28. Mai 2026 in Nanjing. Jiang bekannte sich nach Angaben des Gerichts schuldig und erklärte in seinem Schlusswort, er bereue seine Taten.
Chinas Todesurteil wird in Russland vielfach aufgegriffen
Die Nachricht verbreitete sich am Freitag schnell in russischen Medien. Neben Tass berichteten unter anderem Lenta, Gazeta.ru, Regnum und Komsomolskaja Prawda über das Urteil. Viele Überschriften stellten die Todesstrafe wegen Korruption heraus. In den Artikeln wurde der zweijährige Aufschub jedoch meist erläutert.
China verhängt solche aufgeschobenen Todesurteile immer wieder in besonders großen Korruptionsfällen. Unter Präsident Xi Jinping erfasst die Antikorruptionskampagne seit Jahren Spitzenfunktionäre aus Partei, Militär, Staatsunternehmen und Finanzwesen.
Ein Todesurteil mit Aufschub ist nicht mit einer vollstreckten Todesstrafe gleichzusetzen. Dass China Menschen wegen Korruption tatsächlich hinrichtet, zeigt jedoch der Fall des ehemaligen Finanzmanagers Bai Tianhui. Er wurde nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua im Dezember 2025 hingerichtet, nachdem ihn ein Gericht wegen Bestechung in Höhe von 1,1 Milliarden Yuan verurteilt hatte.
Jiang Chaoliang entgeht diesem Schicksal nach dem nun verkündeten Urteil. Das Gefängnis verlassen darf er dennoch nicht mehr.
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