WWF fordert Verbot schädlicher Substanzen

Viel Chemie im Blut von EU-Politikern

Kerstin Viering
2 Min

Das Blut von Abgeordneten des Europäischen Parlaments enthält einen Besorgnis erregenden Chemikaliencocktail. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des World Wide Fund For Nature (WWF), in deren Rahmen sich vierzig EU-Parlamentarier Blut hatten abnehmen lassen. 76 Chemikalien konnten insgesamt nachgewiesen werden, das Politikerblut mit dem abwechslungsreichsten Cocktail brachte es auf 54 verschiedene Verbindungen.Die Blutproben wurden im Labor auf rund 100 organische Chemikalien untersucht. Nachgewiesen wurden unter anderem Rückstände des Pflanzenschutzmittels DDT, das schon seit Jahrzehnten verboten ist, sowie Überreste von bromierten Flammschutzmitteln. Das DDT-Abbauprodukt DDE war ebenso wie zwölf weitere Substanzen im Blut aller Versuchspersonen enthalten. Aus Tierversuchen weiß man, dass etliche der Verbindungen das Erbgut schädigen und den Hormonhaushalt stören können. Da die Tätigkeit der EU-Parlamentarier nicht für ein erhöhtes Chemikalienrisiko bekannt ist, vermutet man beim WWF, dass die meisten Europäer ähnlich hoch belastet sind. Viele der entdeckten Substanzen sind in Alltagsgegenständen enthalten, etwa in Computern, Textilien oder beschichteten Bratpfannen. Welche gesundheitlichen Auswirkungen der Chemikaliencocktail hat, kann bisher niemand abschätzen - Grenzwerte für die Substanzen im Blut gibt es nicht.Die Chemikerin Ninja Reineke vom WWF spricht von einem gigantischen Feldversuch, dem die Bevölkerung ausgesetzt sei. Die Umweltschutzorganisation fordert daher von der EU eine strengere Chemikalienpolitik. Stoffe, die nicht nachweislich unschädlich seien, sollten verboten werden. (kv.)

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