Es gibt Tage, an denen Katja Krafft nicht weiß, wohin sie zuerst laufen soll. Zu der Schwangeren, die jeden Moment entbinden kann? Zu einer der beiden anderen Frauen, für die sie in ihrer Schicht als eine der diensthabenden Hebammen im Kreißsaal verantwortlich ist? Oder soll sie schnell hinüber in die Ambulanz, wo gerade großer Andrang herrscht? „Es ist belastend, wenn jede Frau darum bittet, dass ich bei ihr bleiben soll, ich aber sagen muss, dass ich das zeitlich einfach nicht schaffe“, sagt Katja Krafft.
Die Anfang 50-Jährige arbeitet an einer der zwölf Geburtskliniken Berlins. Den Namen der Klinik will sie nicht veröffentlicht sehen, auch nicht ihren eigenen. Katja Krafft ist ein Pseudonym, denn das Thema erscheint ihr heikel. Es geht um ein Sparprogramm, mit dem die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stabilisiert werden sollen. Im Zusammenspiel mit der Krankenhausreform könnte es ihren Berufsstand hart treffen.
Krankenversicherung
Alarm im Kreißsaal: Hebammen fürchten drastische Folgen durch Nina Warkens Sparpläne
Mehr Personal, bessere Bezahlung – diese Fortschritte stehen jetzt auf der Kippe. Was das GKV-Spargesetz für die Berliner Hebammen bedeutet.
10 Min
Link kopiert
Die Artikel-URL wurde erfolgreich in Ihrer Zwischenablage gespeichert.
Eine Hebamme wiegt ein Baby nach der Geburt. Die Berufsgruppe ist entsetzt über einen Kurswechsel der Politik.
© unsplash
Werden Sie Teil des Ostablishments.
Sie haben bereits ein O+ Abo?
*