Der chinesische Elektroautobauer XPeng hat in Guangzhou eine Produktionslinie für seinen humanoiden Roboter IRON eröffnet. Der erste dort montierte Roboter verließ die Anlage nach Angaben des Unternehmens aus eigener Kraft. Bis Ende 2026 will XPeng eine monatliche Kapazität von 1000 Maschinen erreichen, der Verkauf soll 2027 beginnen.
Für den Ausbau erhält das Unternehmen viel Geld. Die Robotiksparte sammelte in ihrer ersten Finanzierungsrunde mehr als 900 Millionen US-Dollar ein und wird nun mit mehr als 6,3 Milliarden US-Dollar bewertet. Zu den Geldgebern gehören IDG Capital, Tencent, Alibaba und Gaorong Ventures. Reuters berichtete Ende August unter Berufung auf eine Mitteilung von XPeng über die Finanzierung.
XPeng ist damit Teil eines größeren Trends. Fast 20 chinesische Autobauer entwickeln inzwischen Roboter, gründen eigene Tochtergesellschaften oder beteiligen sich an spezialisierten Firmen. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf die Zeitung Beijing Daily.
Dazu gehören demnach BYD, Li Auto, Nio und Geely. Die Hersteller übertragen Technologien aus intelligenten und autonom fahrenden Elektroautos auf humanoide Roboter. Dazu zählen Kameras und Sensoren, Künstliche Intelligenz, Steuerungssoftware, Batterien und leistungsfähige Chips.
Chinas Roboterarmee und das leichte Leben: Die wollen spielen – aber nicht nur
XPeng erhält mehr als 900 Millionen US-Dollar
Die Finanzierungsrunde wurde von IDG Capital angeführt. Zu den weiteren Geldgebern gehören die chinesischen Technologiekonzerne Tencent und Alibaba sowie Gaorong Ventures. Nach Angaben von XPeng handelt es sich um die bislang größte einzelne private Finanzierung im chinesischen Geschäft mit sogenannter verkörperter künstlicher Intelligenz.
Damit sind KI-Systeme gemeint, die nicht nur digitale Inhalte verarbeiten, sondern Maschinen in der physischen Welt steuern. Das Geld soll in Hardware, Software, KI-Modelle, Trainingsdaten und neue Produktionsanlagen fließen.
XPeng stellte die aktuelle Generation seines humanoiden Roboters IRON im November 2025 vor. Das Unternehmen wirbt mit einer beweglichen Wirbelsäule, Künstlichen Muskeln und einer flexiblen Außenhaut. IRON besitzt 76 Bewegungsachsen und wird von drei firmeneigenen Turing-Chips gesteuert.
BYD und Geely testen Roboter in ihren Fabriken
Auch andere chinesische Autobauer treiben eigene Projekte voran. Li Auto bestätigte im Mai Forschungsarbeiten an humanoiden Robotern. Nio investiert in ein Robotikunternehmen, das von einem früheren Leiter der Abteilung für intelligentes Fahren gegründet wurde.
BYD arbeitet mit dem chinesischen Robotikunternehmen PaXini Tech zusammen. Die Maschinen sollen zunächst Aufgaben in den Fabriken des Konzerns übernehmen. Geely entwickelt ebenfalls Systeme, die bereits versuchsweise im Produktionsalltag eingesetzt werden.
Die Autobauer verfügen dabei über einen wichtigen Vorteil. Sie besitzen eigene Fabriken, große Lieferketten und Erfahrung mit der Massenfertigung. Viele Bauteile für Elektroautos werden auch für Roboter benötigt, darunter Batterien, Elektromotoren, Sensoren und Steuergeräte.
Als erste Einsatzfelder gelten deshalb das Sortieren und Transportieren von Bauteilen, Qualitätskontrollen und einfache Montagearbeiten. In chinesischen Betrieben werden humanoide Roboter bereits getestet. Von einem verlässlichen Ersatz menschlicher Arbeitskräfte sind die meisten Modelle jedoch noch weit entfernt.
Ein Besucher betrachtet XPengs humanoiden KI-Roboter IRON auf der Automesse in Shanghai.
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China beherrscht mehr als 80 Prozent des Marktes
Peking betrachtet die Robotik als strategische Zukunftsbranche. Verkörperte Künstliche Intelligenz gehört zu den Technologiefeldern, die China im Fünfjahresplan für die Jahre 2026 bis 2030 besonders fördern will.
Nach Angaben der chinesischen Entwicklungs- und Reformkommission gibt es im Land mehr als 140 Hersteller humanoider Roboter. Sie sollen jährlich rund 14.400 Maschinen ausliefern und auf etwa 80 Prozent der weltweiten Produktion kommen.
Die Größenordnung wird durch internationale Marktanalysen gestützt. Das Forschungsunternehmen Counterpoint Research bezifferte Chinas Anteil an den weltweit installierten humanoiden Robotern 2025 ebenfalls auf mehr als 80 Prozent. AP nennt auf Grundlage von Branchendaten einen Anteil von rund 85 Prozent. Die Zahlen unterscheiden sich, weil Produktion, Auslieferung und Installation nicht einheitlich erfasst werden.
Das Entwicklungsforschungszentrum des chinesischen Staatsrats erwartet, dass der heimische Markt bis 2030 ein Volumen von 400 Milliarden Yuan erreicht. Bis 2035 soll er nach dieser staatlichen Prognose auf mehr als eine Billion Yuan wachsen.
Peking fürchtet bereits eine Roboterblase
Der Boom löst inzwischen auch bei den chinesischen Behörden Bedenken aus. Die Entwicklungs- und Reformkommission warnte vor zu vielen ähnlichen Produkten und möglichen Überkapazitäten. Standards und Regeln für den Eintritt neuer Anbieter sollen verschärft werden.
Auch geplante Börsengänge werden offenbar strenger geprüft. Reuters berichtete unter Berufung auf das Technologieportal The Information, Antragsteller müssten künftig wiederkehrende Einnahmen, sinkende Verluste oder besondere technische Fortschritte nachweisen. Die chinesische Börsenaufsicht äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht.
Auslöser der Debatte ist auch die extreme Kursentwicklung des Roboterherstellers Unitree. Dessen Aktienkurs hatte sich nach dem Börsengang zunächst etwa verfünffacht, war danach jedoch um rund 45 Prozent gefallen.
Der wirtschaftliche Nutzen vieler humanoider Roboter ist weiterhin begrenzt. Schwierigkeiten bereiten ihnen komplexe Bewegungen, wechselnde Umgebungen und Aufgaben, die ein hohes Maß an Geschicklichkeit verlangen. Chinas Autobauer setzen dennoch darauf, aus ihren Erfahrungen mit Elektroautos ein zweites großes Geschäft zu entwickeln.
China entwickelt Batterie für Elektroautos mit über 1000 Kilometern Reichweite
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