Nach Schätzungen des Bundesverbandes des deutschen Tankstellen- und Garagengewerbes wurden im vergangenen Jahr in Deutschland rund 3 000 Tankstellen überfallen. Dabei erbeuteten die Täter nach internen Hochrechnungen mehr als sieben Millionen Mark. Viele Berliner Pächter sind verunsichert."Zum Glück hat niemand versucht, den Helden zu spielen, so wie wir es immer wieder unseren Mitarbeitern predigen", sagt Shell-Sprecher Thomas Müller, als er von dem Überfall in Tempelhof hört. Alle 53 Berliner Shell-Filialen, so Müller, sind mit Überfallmeldern ausgestattet. In einer an allen Tankstellen vorliegenden Security-Information heißt es unter anderem: Halten Sie ihren Bar- und Wechselgeldbestand so gering wie möglich. Nutzen Sie den eingerichteten Nachtschalter.Bundesweit ist nach Angaben des Bundeskriminalamtes die Zahl der Tankstellen-Überfälle von rund 600 im Jahr 1990 (ohne neue Bundesländer) auf über 1 200 im Jahr 1993 im vereinten Deutschland gestiegen. Hubert Brockmeier, Geschäftsführer des deutschen Tankstellen- und Garagengewerbes, schätzt, daß im Vorjahr rund 3 000 Tankstellen in Deutschland überfallen worden sind. Exakte Zahlen des BKA liegen noch nicht vor. Hochrechnungen zufolge erbeuteten die Täter bei ihren Überfällen mindestens sieben Millionen Mark. Die Angst beim Personal, Opfer eines Überfalls zu werden, geht um. Selbst männliche Angestellte fordern für die Nachtschicht eine zusätzliche Kraft. Statistisch und rein theoretisch betrachtet, so Brockmeier, werde jedes Handelsgeschäft alle 65 Jahre, eine Tankstelle aber alle zwei Jahre überfallen.Jüngste Beispiele in Berlin: Am 3. April wird ein 37jähriger Tankwart in der Uhlandstraße überfallen und ausgeraubt. In der Nacht zum 23. März würgt in Spandau ein Räuber einen 51jährigen Pächter einer Tankstelle in der Heerstraße bis zur Bewußtlosigkeit. Der Täter entkommt mit den Tageseinnahmen. Am 13. März überfällt ein Maskierter einen Tankwart in Hellersdorf. Am 16. März bedrohen zwei Männer einen Angestellten in einer Kreuzberger Tankstelle. Sie zwangen ihn, Geld und Zigaretten herauszugeben.Zwar ist der Sicherheitsstandard für Tankstellen in der Vergangenheit zunehmend verbessert worden - eingebaute Safes, Video-Überwachung, schußhemmendes Glas etc. -, doch nur die wenigsten der bundesweit 18 000 Tankstellen (Berlin: rund 290) verfügen über eine direkte Verbindung zur Polizei, wie sie bei Banken üblich ist. Seit viele Pächter ihre Tankstellen in kleine "Tante-Emma-Läden" verwandelt haben, so Experten, werden zusätzlich Kriminelle, besonders in den Abend- und Nachtstunden, angelockt, da sie sich reichlich Beute in den Kassen erhoffen. Diese kleinen Einkäufe nach Ladenschluß führen zu einer zusätzlichen Einnahmequelle für die Betreiber, potenzieren aber auch das Risiko. Themen wie verstärkte Sicherheit und Überwachung, um Diebstahl und Raubüberfällen vorzubeugen, stehen auch auf der Tagesordnung einer dreitägigen Internationalen Messe, die gestern in den Hallen unterm Funkturm begann. +++
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]