MÜNCHEN. Eine Zitterpartie werden die nächsten Tage und Wochen für viele Siemens-Manager in der zweiten Reihe. Anfang Dezember will der neue Vorstand unter Führung von Peter Löscher entscheiden, wer weiter Chef sein darf, wer zurück ins Glied oder sogar seinen Hut nehmen muss. Das ist die Folge der Neuorganisation des Weltkonzerns, die der Aufsichtsrat unlängst gebilligt hat. In Zukunft werden sich bei Siemens weniger Führungskräfte tummeln, sagte der Vorstandschef gestern. "Aber es werden unsere Besten sein."Radikaler UmbauAn der Konzernspitze wurde mit dem Segen des Aufsichtsrats wie bereits berichtet schon kräftig umgebaut: Dem obersten Siemens-Führungsgremium gehören ab Jahreswechsel nur noch acht statt bisher elf Vorstände an. Künftig nur noch "beratend tätig" sein werden die bisherigen Vorstände Rudi Lamprecht, Uriel Sharef, Klaus Wucherer und der vor noch nicht allzu langer Zeit berufene Eduardo Montes. Arbeitsdirektor Jürgen Radomski wechselt in den Ruhestand. Neu in den Vorstand kommen der Ex-Chef der verkauften Siemens VDO Automotive AG, Wolfgang Dehen, und Ex-Bereichsvorstand Siegfried Russwurm. Zuständig für Unternehmensethik ("Compliance") ist schon etwas länger Peter Solmssen.Noch wichtiger als die personellen Veränderungen ist der radikale Umbau der Verantwortungsstruktur. Bislang war der Zentralvorstand operativ gar nicht tätig. Das erledigten die Bereichsvorstände der Siemens-Sparten. Löscher machte den Siemens-Vorstand jetzt zu einem echten Führungs-Gremium. Die Zentralvorstände Hiesinger, Dehen und Erich Reinhardt verantworten die neu gebildeten Sektoren Industrie, Energie und Medizintechnik; Hermann Requardt, Russwurm und Solmssen verantworten die Geschäfte in den verschiedenen Welt-Regionen.Vertriebskosten sollen sinkenDen 15 gebildeten Divisionen soll jeweils ein persönlich verantwortlicher CEO leiten, was nur unzureichend mit Vorstandsvorsitzender übersetzt werden kann. Der Bedarf an Top-Managern reduziert sich in dem weltweit 400 000 Menschen beschäftigenden Technologiekonzern drastisch. Bei der Suche nach den übrig bleibenden besten Kräften werde auch die mit der Aufklärung des Siemens-Schmiergeldskandals beauftragte US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton ein Wort mitzureden haben. Alle Kandidaten - auch aus der zweiten Führungsebene - würden auf etwaige Berührungspunkte mit Schmiergeld hin durchleuchtet.Unausgesprochen ist die neue Führungsstruktur auch eine Folge des auf 1,3 Milliarden Euro taxierten Skandals um Schwarze Kassen, mit denen sich Siemens-Manager weltweit Aufträge sicherten. Drohend schweben über dem Konzern die möglicherweise milliardenteuren Sanktionen, die die US-Börsenaufsicht SEC verhängen kann. Der Umbau soll den Konzern aber nicht nur schneller, sondern auch billiger machen. Bis 2010 wolle man durch die einfachere Struktur zwischen 1,2 und 2,4 Milliarden Euro Vertriebskosten sparen, kündigte Löscher an.------------------------------Foto: Der neue Siemens-Chef Peter Löscher krempelt den Konzern um.
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