Thüringen

Zalando-Schließung in Erfurt: Jobvermittlung für Mitarbeiter wird laut Arbeitsagentur schwierig

Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt schließt, Über 2000 Mitarbeiter sind ohne Job. Eine Transfergesellschaft gibt es nicht, die Arbeitsagentur setzt ein Spezialteam ein.

3 Min
Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt, das Ende September schließen wird

Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt, das Ende September schließen wird

© Martin Schutt/dpa

Nach der Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt Ende September verlieren rund 2100 Beschäftigte ihre Arbeit. Die regionale Arbeitsagentur rechnet vor allem für An- und Ungelernte mit erheblichen Hürden bei der Vermittlung.

Die Vermittlung der von der Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt betroffenen Mitarbeiter wird nach Einschätzung der Arbeitsagentur zu einem Kraftakt. Insbesondere für die vielen An- und Ungelernten dürfte es schwierig werden, passende neue Stellen zu finden, sagte die Chefin der Arbeitsagentur Thüringen Mitte, Irena Michel, der Deutschen Presse-Agentur. Der regionale Arbeitsmarkt biete deutlich mehr offene Fachkraftstellen als Helferjobs.

Fachkräfte in Thüringen gesucht, Spezialteam der Arbeitsagentur

In der Region seien derzeit rund 4700 offene Stellen gemeldet, davon richteten sich mehr als 80 Prozent an Fachkräfte, so Michel. Für An- und Ungelernte gebe es dagegen nur bis zu 650 offene Stellen. Nach Schätzungen der Arbeitsagentur seien etwa 1300 der noch 2100 Zalando-Beschäftigten in Anlern- und Helfertätigkeiten beschäftigt. „Es wird kein einfaches Unterfangen, alle in Arbeit zu bringen“, sagte Michel. Viele Beschäftigte verfügten aber über Berufsabschlüsse, auf die aufgebaut werden könne.

Ab August will die Arbeitsagentur mit einem eigenen Transformationsteam aus 14 Mitarbeitern direkt bei Zalando beraten, Qualifizierungen organisieren und Betroffene möglichst vor Eintritt in die Arbeitslosigkeit in neue Jobs vermitteln. Rund 800 ehemalige oder gekündigte Zalando-Beschäftigte hätten sich bereits bei der Arbeitsagentur gemeldet, etwa zur Hälfte als arbeitslos, zur Hälfte als arbeitssuchend, sagte Michel. Auch Unternehmen hätten Interesse an einer Übernahme bekundet.

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Sozialplan vereinbart, Transfergesellschaft verweigert

Für die Kündigungen wurde am Donnerstag ein Sozialplan vereinbart. Nach monatelangem Streit zwischen Betriebsrat und Management war ein Spruch einer Einigungsstelle nötig. Die Finanzierung einer Transfergesellschaft wurde nach Angaben des Betriebsrats von Zalando verweigert. Der Konzern hat laut einem Unternehmenssprecher Rückstellungen von 80 Millionen Euro für die Schließung gebildet, davon rund 30 Millionen Euro für den Sozialplan.

Thüringens Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) hatte sich enttäuscht über die abgelehnte Transfergesellschaft gezeigt. Ein Unternehmen dieser Größe hätte aus ihrer Sicht „auch die soziale Verantwortung gehabt, den betroffenen Beschäftigten in dieser schwierigen Situation stärker zur Seite zu stehen“. Der frühere Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nannte die Schließung eine Fehlentscheidung des Vorstands. „Es hat sich gelohnt, zu kämpfen - auch wenn die Schließung ein Schlag ins Gesicht der Menschen ist“, sagte er.

Zalando will den Standort Ende September schließen und begründet dies mit einer Neuausrichtung des Logistiknetzes nach der Übernahme von About You. Ein neuer Logistikstandort entsteht in Gießen.

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