Der Blick zwischen den Holzbrettern hindurch hat sich offenbar gelohnt für die Elf- und Zwölfjährigen, die nun scheinbar gelangweilt vor dem FKK-Bereich des Kreuzberger Prinzenbades stehen. "Ich hab was gesehen", sagt einer ganz aufgeregt. Er verrät auch, was genau er da erblickt hat. Aber die Worte gehen im Kichern der anderen Jungs unter. Die sechs Knirpse haben eine spannende Beschäftigung gefunden: Nackte gucken. "Den Blick über den Zaun hat man von den Tischtennisplatten aus", sagt einer. "Von da kann man ganz viele Nackte sehen." Bis vor zwei Jahren noch teilten sich Nackte, Halbnackte und Verhüllte die große Liegewiese im hinteren Teil des Prinzenbades. Bis August 1998, als plötzlich ein Zaun mit der Aufschrift "FKK" auf dem Rasen aufgebaut wurde. Seither haben die Nudisten im Prinzenbad einen Platz für sich - (fast) unbehelligt von lästigen Spannern. "So ist es viel angenehmer", sagt eine Frau, die mit ihrem Kind im FKK-Bereich spielt. Früher sei das Geglotze ganz extrem gewesen. "Manche haben sich sogar angezogen zwischen die Nackten gelegt und dann gestarrt." "Besucher hatten sich über Vo- yeure beschwert", sagt Jutta Domaschk von den Berliner Bäderbetrieben (BBB). Der Zaun, den die BBB aufgestellt hatten, sei dankbar angenommen worden. Und damit Spanner abgeschreckt werden, schauen hin und wieder Wachschützer vorbei.Für die Jungen aber sind weder Wachschutz noch Zaun ein Grund, sich einen Blick auf die FKK-Wiese entgehen zu lassen. "Erwischt worden sind wir noch nie", sagt einer. Und zudem, ergänzt ein anderer, könnten sie auch tun, was sie sich schon öfter getraut hätten: Durch den Eingang des FKK-Bereichs stürmen und ganz schnell eine Runde über die Wiese drehen - um danach wieder kichern zu können. (cls.)BERLINER ZEITUNG/KAY HERSCHELMANN Wer sich hinter diesem Zaun im Prinzenbad sonnt, tut das nackt.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]