Die neue ZDF-Doku über die Deutsche Bahn hat einen handfesten Streit ausgelöst. In der Reportage „Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“ aus der Reihe „Am Puls“ blickt Moderatorin Dunja Hayali hinter die Kulissen der Generalsanierung und stößt auf marode Infrastruktur, sogenannte „Uralttechnik“ und Sicherheitsmängel.
Ausgestrahlt wurde der Film am Dienstag, seit Sonntag ist er in der Mediathek abrufbar. Noch am Sendetag reagierte die Deutsche Bahn scharf: Die Reportage basiere „in weiten Teilen rein auf Behauptungen und Meinungen“ und enthalte „methodische Fehler“. Teile nannte der Konzern „in hohem Maße unseriös“. Das ZDF verteidigt die Recherche – nahm aber zwei Korrekturen vor. Ein Überblick über die Fakten.
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Was die ZDF-Doku der Deutschen Bahn vorwirft
Im Zentrum des Films steht die Frage, was „kaputtgespart“ konkret bedeutet. ICE-Führer Matthias Grün berichtet von „Langsamfahrstellen“, die ihn ausbremsen – weil ständig gebaut wird oder die Substanz zu marode ist, um schneller zu fahren.
Bahnexperte Hans Leister, früher selbst Regionaldirektor, nennt die Sanierung des Korridors Berlin–Hamburg „absurd“. Dort würden rund 700 Signalanlagen neu aufgestellt – aus seiner Sicht über 50 Jahre alte „Uralttechnik“.
Auch das tödliche Zugunglück von Burgrain vom 3. Juni 2022, bei dem fünf Menschen starben, greift der Film auf. Ein internes Papier soll zeigen, dass Reparaturen aus Geldmangel verschoben wurden und Vorgesetzte Boni für Pünktlichkeitsziele erhielten.
Der Zahlenstreit: 60 oder 88 Prozent pünktlich?
Am schärfsten fällt das Urteil der Bahn beim Pünktlichkeitsvergleich mit Belgien aus. Diesen nennt der Konzern „in hohem Maße unseriö“s – hier würden „Kirschen mit Kürbissen“ verglichen.
Der Kern des Vorwurfs: Die im Film genannte belgische Quote von rund 92 Prozent umfasse sämtliche Zugverkehre. Belgien fahre aber überwiegend Nahverkehr auf einem Fünftel des deutschen Netzes.
Im Personenverkehr insgesamt lag die Deutsche Bahn 2025 nach Konzernangaben bei 88 Prozent – annähernd auf gleichem Niveau. Der Film nenne für Deutschland dagegen nur die Fernverkehrsquote von 60,1 Prozent. Dass im Regionalverkehr 88,7 Prozent der Züge pünktlich ankommen, erfahre der Zuschauer nicht. Die niedrige Fernverkehrszahl räumt die Bahn dabei selbst als unbefriedigend ein.
Digitale Stellwerke: Wo das ZDF nachbessern musste
Auch beim Thema Digitalisierung wehrt sich die Bahn. Die Behauptung, sie verfüge über kein einziges digitales Stellwerk, sei „faktisch falsch“. Das erste ging demnach bereits 2018 in Annaberg-Buchholz in Betrieb.
Aktuell betreibt die DB nach eigenen Angaben drei vollständig digitale Stellwerke und über 20 weitere mit digitalen Elementen im Echtbetrieb. Allein 2025 seien 64 Stellwerke erneuert worden.
Genau hier hat das ZDF reagiert. In einer Grafik war die Zahl der digitalen Stellwerke mit null angegeben – korrigiert wurde sie auf drei. In einer zweiten Grafik wurde „Fernverkehr“ in „Personenverkehr“ geändert.
Wie das ZDF sich verteidigt
Das ZDF widerspricht der Kritik grundsätzlich. Die Dokumentation sei „journalistisch sorgfältig recherchiert“ und bilde „verschiedene Perspektiven umfassend ab“. Der Film beleuchte „strukturelle Probleme bei der Deutschen Bahn und deren Auswirkungen auf Reisende und den Arbeitsalltag der Beschäftigten“.
Damit steht Aussage gegen Aussage: Während die Bahn von einem „Zerrbild“ und einer „unseriösen“ Reportage spricht, verweist das ZDF auf sorgfältige Recherche und die Bandbreite der Gesprächspartner – von der Bahnchefin über Beschäftigte und Politiker bis zu zahlreichen Reisenden. Unstrittig bleiben am Ende zwei Punkte: die beiden nachträglich berichtigten Grafiken.
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